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Ich schreibe, also bin ich. – Warum twittern, bloggen, schreiben Sie?

erstellt am: 8. Juni 2011 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein

„Ich schreibe, also bin ich. Ich werde gelesen, also bin ich nicht allein.“

Dieser Spruch von Kurt Marti gefiel mir sofort und auf Anhieb, als ich ihn las, unterstützt er doch meine These, dass dieser ganze Austausch und  der Hype der virtuellen Vernetzung letztendlich einem einzigen Ziel dient, nämlich dem Gefühl: Ich bin nicht allein!

Und allein, das fühlen sich mehr Menschen, als wir es landläufig glauben.  Ich bin immer wieder erstaunt, wie selbst im landläufigen Sinn erfolgreiche Menschen, Manager, Chefs, Selbständige niemanden haben,  der den Namen FREUND oder FREUNDIN verdienen würde, also einen Menschen, mit dem ich mich  über das Alltägliche oder das Berufliche oder Allgemeine hinaus vertrauensvoll austauschen kann, sprich, über intime Dinge, die mich im tiefsten Innern beschäftigen und die niemanden ‚da draußen‘ eigentlich etwas angehen. Und mit ‚da draußen‘ meine ich auch social networking Plattformen.

Einsamkeit ist ja was ziemlich Verpöntes in unserer Gesellschaft. (Noch schlimmer erlebt in den USA, Jesus, da packen Leute ihren Warenkorb voll, damit niemand auf die Idee käme, sie oder er würde NUR für sich alleine einkaufen…).  Ergo sucht der gemeine Mensch nach einer anderen Möglichkeit, diesem Gefühl zu entrinnen. Also twittere ich, also schreibe ich etwas über mich in facebook etc. (oder in einem Lebenskunstblog 😉 oder einem Buch…). Und selbst, wenn ich keine Resonanz kriege, so geht das Gros der Schreibenden, Twitternden, Blog-Schreibenden doch davon aus, dass jemand ihre Message liest – und das hat Kurt Marti m.E. wunderbar weitergedacht: Wir haben allein aufgrund der Annahme, DASS jemand liest, nicht mehr das Gefühl, allein zu sein. Toller Spruch. Finde ICH jedenfalls.

Ich kann natürlich auch Twittern, Blogen, Schreiben, weil ich ein Produkt vermarkten will… oder der Meinung bin, ich hätte der Welt etwas Weltveränderndes mitzuteilen…. oder weil ich Nachrichten, Neuigkeiten zeitlich 1:1in die WElt geben will…. aber immer steckt dahinter das Motiv: ich möchte gelesen werden…. und vielleicht, vielleicht, gibt das ja im Endeffekt doch das Gefühl, nicht allein zu sein. Mit seiner Produktidee, seinen Neuigkeiten, seiner Message.  Diese Motive sind natürlich einfacher zuzugeben, als sich einzugestehen: Ich schreibe ich, weil ich das Gefühl von Einsamkeit loswerden will.

Was glauben Sie, warum Menschen twittern, schreiben, bloggen, facebooken?

Wenn Sie auch zur schreibenden Gilde gehören: Warum tun Sie es ?




5 Kommentare zum Beitrag

  1. Avatar Ramin sagt:

    Ein spannender Gedankengang 🙂 Lustigerweise finde ich dass das Schreiben eher eine einsame Tätigkeit ist. Der große Vorteil des Schreibens ist, dass einmal Kommuniziertes dauerhaft erhalten bleibt, und nicht an einen bestimmten Ort oder Zeitpunkt gebunden ist.
    Sicher spielt auch das Zugeörigkeitsgefühl eine Rolle – gerade zum Beispiel bei Facebook.
    Manchmal schreibe ich um auf eine Idee oder ein Produkt aufmerksamk zu machen.
    Manchmal schreibe ich um Kontakt mit einem Menschen herzustellen.
    Manchmal schreibe ich als eine Art Gehirnjogging, um mein Denken zu schulen.
    Zusammengefasst: Ich denke Menschen schreiben aus unschiedlichen Gründen 🙂

  2. mary mary sagt:

    @Ramin
    Ich stimme Ihnen sehr zu: Menschen haben sehr unterschiedliche MOTIVE, die sie MOTIV-ieren zu schreiben.

    Ich z.B. kann schriftlich 3000x besser Eigenreflexion betreiben (und tue das mit – einsamer – Freude!), als wenn ich’s nur im Kopf machen würde. Sie beschreiben das ja ähnlich: als Gehirnjogging … und um das eigene Denken zu schulen. Dieser letzte Ausdruck gefällt mir besonders, weil für mich implizit die Botschaft mitschwingt, dass Denken geschult, geübt, verfeinert, erlernt werden kann. Kommt meiner Vorstellung von Lebenskunst und lebenslangem Lernen und Werden sehr entgegen.
    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

  3. Avatar Ramin sagt:

    @Maria
    Danke auch für Ihre Antwort 🙂

  4. Avatar Nicki sagt:

    Ich lese regelmaessig einen Blog einer ehemalige Bekannten. Anscheinend gluecklich verheiratet mit Kind. Und ich denke immer, was fuer ein elendes „fishing for compliments“. Sie schreibt etwas, zeigt Fotos, Handarbeiten, einen Grilldip, was auch immer, alles happy-perfektes-Family Living und schwupp sind 20 Kommentare der Bewunderung da. Nein, wie toll, nein, wie kreativ, mein, wie wunderschoen. Blogs ueber sein Leben scheinen eine Luecke zu fuellen, in diesem Fall doch eine große Leere, trotz der scheinbar perfekten Fassade. Scheinbar braucht sie das Gefuehl, etwas besonders zu sein und zu machen. Schon arm, irgendwie. Ohne Blog wäre sie irgendeine Hausfrau. Mit Blog bekommt sie fuer die einfachsten Dinge grenzenlose Bewunderung

  5. mary mary sagt:

    @Nicki
    Bewundert werden, beneidet werden, dieses MOTIV treibt viele Menschen in zwanghafte (Selbst)Darstellungsmuster. Das Dilemma ist, dass es anderen auffällt – wie in diesem Fall IHNEN – den oder dem oder der Betroffenen aber nicht, weil’s unbewusst abläuft.

    Im Coaching gibt es einen Spruch, der lautet: „If nothing is broken, don’t try to fix it!“, was soviel meint wie: Wenn jemand meint, alles sei für ihn in Ordnung, lass ihn in dem Glauben. Für dich gibt’s nix zu tun.

    DAS hat auch bei mir gedauert, bis ich so weit war, den oder die andere einfach da zu lassen in ihrer Entwicklung, wo sie oder er gerade steht und nicht als vermeintlich „Sehende“ dem anderen die Erkenntnis oder Wahrheit um die Ohren zu hauen (obwohl ich den Impuls zuweilen immer noch habe…).

    Was ich bei Ihrem Kommentar zwischen den Zeilen meine herauszulesen, das kenne ich auch gut: man/frau fängt leicht an, den anderen für seine „Blindheit“ nen Hauch zu verachten oder sich dem ‚Blinden‘ überlegen zu fühlen.

    Und, alle Erfahrung lehrt, wenn man sich jemandem überlegen (oder unterlegen) fühlt, ist das die grottenschlechteste Voraussetzung für echte Nähe – nach der wir uns häufig und eigentlich gesehnt haben.
    Diese Ent-Täuschung: der /die andere ist doch nicht so souverän oder großzüzig oder gebildet oder humorvoll oder was was ich, führt statt zu Gleichklang, Verbundenheit und Nähe zu mehr Distanz. Das gilt es dann auszuhalten. Keine leichte Übung, für wahr, wirft sie einen doch immer und immer wieder auf einen selbst zurück.

    Ganz herzlichen Dank für Ihre Gedankenanstöße!
    Maria Ast

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