Achtung! Vorsicht! Dies wird kein Ermutigung-positive-Thinkinggruß zum Jahresanfang. Wenn Sie das suchen oder brauchen, dann klicken Sie – ich meine das im Ernst – einfach auf ein anderes Ich-mache-dich-glücklich-Portal oder fragen Sie KI: Was kann ich tun, damit ich 2026 glücklich, erfolgreich, gut drauf bin?
Da warten überall aufmunternde Antworten. Die nutze ich auch, hab ich selbst schon zig mal in meinem Lebenskunst-Blog gemacht: Anregungen oder Gedichte, die friedlich oder neugierig oder dankbar zurück und nach vorne blicken lassen – (siehe u.a. Gedicht von Rose Ausländer).
Heute will hier einfach nur rumwüten dürfen… wollen… tun. Ich bin nämlich krank, oder kränklich, also Erkältung, von der ich nachher wissen werde, ob ich mir nicht doch Corona irgendwo eingefangen habe. Jedenfalls war ich seit der Familienweihnahtsfeier am Kämpfen wie das in Köln so schön heißt. (Als ich – 40 Jahre her – noch English unterrichtete, habe ich den Kids immer am Beispiel: Am Kämpfen… am Rennen… am Jammern klargemacht, was es mit der Englischen Verlaufsform auf sich hat: I am running, fighting, shouting, crying, lauphing. Haben die alle sofort kapiert und behalten.)
Wo war ich? – Genau, dass ich seit Tagen am Kämpfen GEGEN eine fiese aufziehende Erkältung bin: Und, was soll ich sagen? Taddah! Es hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Gestern, Silvester, saß ich allein, kopf- und gliederschmerzgebeutelt, tiefengefrustet in meiner Wohnung… vor deren Toren seit 5.00 Uhr nachmittags (bis halb 4.00 morgens) geböllert wurde. An Schlaf war also aus diversen Gründen nicht zu denken und an Regeneration oder Gesundwerden irgendwie auch nicht.
Entsprechend müde, gefrustet, betrübt habe ich mich gegen halb 10.00 aus dem Bett gewälzt – erst mal ne Runde geheult – da kriege ich zwar immer Kopfschmerzen von, aber das war jetzt eh egal, weil ich die sowieso schon zuhauf hatte. Dann habe ich mir noch alle tollen Neujahrswünsche/Posts von Familienmitgliedern und sonstigen lieben Mitmenschen angeguckt… und ich wusste schon da: Du , ja, DU, Maria, hast die Wahl: Entweder du lässt dich im Selbstmitleidsmeer untergehen – oder du hältst mal langsam nach einem rettenden Ufer Ausschau. Is ja nich so, als hätte ich keine Erfahrung mit ‚solchen‘ Situationen. Und WEIL ich sie habe, braucht es dann eigentlich nur noch ein Erinnern daran – und schon wächst die Zuversicht: Auch DIESES Mal wirst DU DICH SELBST ans Ufer retten, statt gefrustet und enttäuscht drauf zu warten, dass das ein anderer tut.
Der kreative Sprung
Ich nenne das „Den kreativen Sprung machen“. Heißt was? Sich/mich aus einer aufziehenden Düsternis zu befreien – und dem, was mich bewegt, bedrückt, ängstigt, freut AUSDRUCK zu verleihen. Das mit dem „Ausdruck verschaffen“ habe ich einer super Supervisorin zu verdanken, die meine damals irre Angst, in die Depression abzugleiten – ODER, vice versa, zu explodieren, und zwar da, wo das NICHT hingehört. Und die sagte: Weder-noch!
Weder Depression noch Implosion, sondern Expression!
Jap! Das ist in meinem Hirn eingemeißelt auf ewig. Bei mir sieht das so aus, dass ich entweder ein Gedicht schreibe- Oder alles in meinnem Handtagebuch aufs Papier bringe – bis mir das Dauerjammern selbst zu viel wird. Oder ich z.B. HIER meinen Zustand in die Tasten haue und in die Welt zu entlasse. Der Wind wird ihn zerstreuen und irgendwo hinwehen. (Zumal es in Bielefeld heute wie blöd stürmt.)
MIR geht es schon entschieden besser als vor dem Schreiben. DIESE Schreibstrategie oder eher Schreibtherapie mache ich ja schon mein ganzes Erwachsenenleben über. Es passiert so gut wie nie, dass sie mich nicht befreit, erlöst, Zuversicht schenkt: Du machst das, my dear Mary! Bewahr dir dein Mitgefühl, MitGEFÜHL wohlgemerkt. Mitleid, wir wissen es alle, hilft letztlich niemandem.
So, und nun? Ich hätte Lust, grad doch noch mal bei meinen positive thinking CoachingkollegenInnen oder Philosophiegrößen vorbeizuschauen, oder mich am MUT-machenden Gedicht von Rose Ausländer zu erfreuen. Sowas in der Art. Und gleich Teechen und Sofa und ein wunderbares Buch, das mich gefunden hat: „Erklärt Peireira“ von Antonio Tabucchi. Schon 1995 erschienen, aber aktuell wie nie. Es geht um beherzten Widerstand gegen Unrecht – statt im bequemen Rückzug es sich gemütlich zu machen.
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich von Herzen für das neue Jahr 2026 Gesundheit, Frieden, Gelassenheit UND Tu-Mut, Denkfreude UND gefühlte Lebendigkeit, eine gute Balance zwischen Selbstfürsorge UND Fürsorge für andere.
Und allen voran eine Fähigkeit, die ich nicht müde werde zu predigen:
- Lerne zu differenzieren – statt zu generalisieren.
- Mach Dir die Arbeit zu unterscheiden: WAS ist in DIESER Situation sinnvoll, angebracht, notwendend?
- Und dann wähle beherzt – und tu’s!
Herzlichst – Maria Anna Ast 



