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Think twice. Feel twice. – Warum ich für Emotion plus Verstand plädiere

erstellt am: 6. März 2015 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein, Bewusstheit, Selbstmanagement, Wissenswertes

„Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“ – Paul Watzlawick

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Emotion schafft mehr Wert“ , zu der mich Herr Stockhausen von der Manufaktur Wachstum eingeladen hat.

Zum Thema Emotionen haben ich in diesem Blog schon Unmengen geschrieben, lautet meine Botschaft doch: Entschieden leichter leben! Um dem komplexen Thema irgendeine handhabbare Form zu geben, greife ich Anregungen/Fragen von Herrn Stockhausen auf und lasse Emotionalität und Geist zwischen die Zeilen fließen. Auf geht’s.

Kennen Sie Maschen und Muster, die Sie nicht mehr hören können oder sehen wollen?

Ich antworte höchst emotional: Und ob! Ich könnte toben, schreien, wüten, verzweifeln, vor Frust in die Auslegeware beißen und es auf jede Wand sprühen:  Schluss. Aus. Ende mit jeder Art von Einpoligkeitsdenken! Haltet inne, blickt Euch um, befreit Euch: Es gibt mehr als eine Richtung, EIN Richtig!

  1. Kapiert, dass die schönste Tugend eine Gegentugend braucht, um nicht aus dem Ruder zu laufen.
  2. Lernt zu differenzieren! Das macht Mühe, befreit aber ungemein.
  3. Lernt kunstvoll und kreativ zwischen beiden Polen hin und her zu schwingen
  4. und traut Euch ein fürwahr spannendes, bewegtes und bewegendes Leben zu führen.

Glück. Erfolg. Reichtum. Wachstum, garantierte Garantien. Toll. Wer’s glaubt, wird selig. Oder eben zunehmend auch nicht. Wer ausblendet, dass das Leben widersprüchlich und polar ist, blendet die Gegenpole Leid, Scheitern, Mangel, Stillstand, Unsicherheit komplett aus. Mit fatalen Folgen. Wer als sicheren ‚Landeplatz‘ nur einen Pol hat, der wird alles, alles tun, um ihn zu erhalten, dorthin zurückzukehren, diesen Pol zu retten und jedem nachrennen, der ihm verspricht, ihm dabei zu helfen. Daraus folgert logischerweise:

Er, der Mensch, muss dauerackern, um die Dauerangst im Zaum zu halten, er könne ins Nichts fallen. Denn wo nix is, kann auch keine Rettung oder Lösung warten. Die Lösung bestünde darin, sich klar zu machen oder versuchsweise anzunehmen, dass es einen Gegenpol gibt.

Was ist das Schöne am Zweipoligkeitsdenken? Was stellt es sicher?

  •  Es verändert die Haltung, die innere Einstellung ,die Sicht, die wir auf uns, die anderen, das Funktionieren der Welt haben:  grundlegend, radikal und nachhaltig. Wie das? Wer seine Vorannahmen über sich und die Welt ändert, dem tut sich im wahrsten und gefühlten Sinne eine neue, reichere (Innen) Welt auf.
  • Es bewahrt vor Extremismus, Perfektionswahn, Wachstumsgläubigkeit, Burnout, Bored-Out, Allmachtsphantasien, Absolutheitsgläubigkeit, Zielfixierung, überzogener Gefühlsduseligkeit, eiskaltem Denken etc.
  • Es beugt Extremen vor. Jede Tugend braucht eine Gegentugend. Meinte schon Aristoteles. Warum? Weil die schönste Tugend sonst aus dem Ruder läuft! Will meinen, sie gleitet ins Extreme, produziert Extremes und Extremisten. Egal, ob als Persönlichkeitsanteil in einem selbst, in Beziehungen, in Zusammenarbeit, in Wirtschaft, in Gesellschaft.

Ein paar konkrete Beispiele zur Zweipoligkeit:

  • Erst Denken/Ratio plus Emotionen/Fühlen schafft Ausgewogenheit und bewahrt so vor überzogen gefühlsduseligem oder eiskalt berechnendem/berechnetem Handeln.
  • Erst Lassen plus Gestaltungswille sorgt für ein im wahrsten Sinne spannendes Berufs- und Liebes- und Selbst-Erleben.
  • Erst Fürsorge für andere plus gute Selbstsorge, sorgt für eine stabile Energiebilanz.
  • Ziel plus Weg im Auge zu behalten macht Sinn, weil wir sonst vor lauter Zielfixierung a) das Schöne am Wegesrand nicht wahrnehmen , b) viel leichtere Wege zum Ziel nicht erkennen, c) die Eigenressourcen völlig aus dem Blick verlieren.

Und was ist mit Mehrwert von Emotionen? Was ist der Gegenpol dazu? Erst mal stört mich dieses Hantieren mit dem Wort Mehrwert. Für mich ist es Marketingtaktik, denken wir doch – unbewusst, also diffus und subtil gefühlt – den Gegenpol! gleich mit, und der lautet wie? Genau. Wir denken automatisch das WENIGER mit. Und wer will schon weniger haben?! Also springen wir auf den MEHR-Zug. Mehr macht erst Sinn, wenn wir die Referenzmenge kennen. Emotionen haben ihren Wert. Denken hat seinen Wert. Punkt. Das Mehr ergibt sich – für Beide wohlgemerkt – erst durch den Gegenpol.

Was ist das ‚Gefährliche‘ am Zweipoligkeitsdenken?

Die fördert Eigensinn und Eigendenken, macht aus gläubigen und zum erfolgs- und glückmeerstrebenden Lemmingen Menschen, die wagen zu hinterfragen, deren Sinne viel geschärfter sind, sobald die Un-Balance droht. Infragestellen, das war vielen Mächtigen, ob in Politik, Wirtschaft, Kirche – und meinen Eltern – schon immer suspekt. Ich bin aber für Hinterfragen. Denn was ist der Gegenpol zu hinterfragen? Akzeptieren. Akzeptieren kann in bestimmten Situationen die beste aller Lösungen und Einstellungen sein. Aber eben nicht immer und nicht nur. Differenzieren hilft.

Fazit: Think twice! It’s the beginning of peace and inner freedom!

 

 Gibt es aus Ihrer Sicht absurde Gewohnheiten im Umgang mit Emotionen im Arbeits- und Geschäftsleben? – Haben Emotionen in faktenorientierten Welten eigentlich Platz? –  Und wie können sie den einnehmen?

Was meint absurd? Laut Web: völlig unvernünftig (Kopf!) und unsinnig (Sinne/Gefühle). Absurd wäre es, nicht BEIDE Systeme zu nutzen. Sie bewerten nämlich völlig unterschiedlich.  Vernunft verbindet Wissen, Fakten, Zahlen. Denken erlaubt uns, auf Abstand gehen zu können, zu unserem Denken, Fühlen und Handeln. Beim Denken können wir So-tun-als-ob-Szenarien entwerfen, können Zukunftsziele formulieren. Weise ist, wer diese nochmal mit dem Gefühl gegencheckt.

Denn Emotionen haben andere Qualitäten: Sie bewerten blitzeschnell auch komplexeste Situationen, sie enthalten die Summe all unserer gemachten und gedachten und gefühlten Erfahrungen. Intuition nennt man das – oder auch Weisheit. Schön blöd, wer auf diesen Weisheitspool verzichtet! Das scheint so langsam ja auch in der Wirtschaft angekommen zu sein, dass nicht nur mit Fach-Wissen vollgestopfte Jungspunde über Wohl und häufig Wehe des Betriebes entscheiden. Es ist eben nicht der Weisheit letzter Schluss, die Weisheit erfahrener Semester draußen vor der Betriebstür zu lassen. Das ist, als würde ich nur Dur-Lieder düdeln und die Moll-Klänge nicht für einen satten, reichen Sound nutzen.

Wissen und Weisheit. Sachebene und Gefühlsebene. Synthese eben. Das haben ja auch schon viele andere Blogschreiber hier genauso gesehen.

Gefühlsebene? Verstandesebene? Wie komme ich hin? – Eine kleine praktische Übung

Bei aller Leidenschaft und Liebe zum Denken und Fühlen: Ich bin bekannt für: konkret, pragmatisch, einfach. Drüm hier ein konkreter Vorschlag zur sofortigen Anwendung, ganz egal wo, ob beim Partner, Kollegen, Chef, Angestellten, im Meeting oder beim Streit mit den pubertierenden Kids:

Wollen Sie sich oder jemanden INS Gefühl bringen, seine Emotionen ansprechen, Ihren eigenen Herzensmotiven – oder auch Stoppmotiven – auf die Spur kommen, benutzen sie das Wörtchen schön. Und fragen: Was ist das SCHÖNE an… an diesem Ziel, diesem Vorschlag, dieser Vorgehensweise, an Emotionen, am Denken können. Was wäre das Schöne daran, dass wir unser Meeting auf morgens verlegen, unser Mittagessen auf den Abend verschieben etc., ergänzen Sie, wo immer „es“ gerade hakt bei Ihnen.

Wollen Sie sich oder jemanden ins (Nach)Denken bringen, hilft das Wörtchen wichtig enorm weiter. Es schafft Distanz. Es hilft anderen aus ZU VIEL Emotionalität auszusteigen. Fragen Sie: Was ist mir/dir/uns so wichtig… an dieser Vorgehensweise, diesem Ziel, dieser Planung, dieser Strategie, an mehr Emotionalität in der Wirtschaft oder in meinem Leben!

Am Besten: Einfach versuchen! Und staunen! Welchen Unterschied EIN klitzekleines Wörtchen macht. Selbst ich, die das schon 10.000 mal auch mit sich selbst gemacht hat, lege reflexartig meine Hand unters Kinn, gucke eidetisch in die Gegend, wenn ich mit dem Begriff WICHTIG operiere. Schön geht anders!  🙂

 

Kennen Sie positive Beispiele, in denen die Macht der Emotionen wertschöpfend genutzt werden? Welche eigenen Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Was meint Macht? ‚Herrschaft, Autorität, Einfluss, Befehlsgewalt, Einflussnahme‘ bietet allein mein Wordprogramm als Synonyme an. Laut Freud und Neurobiologen sind Emotionen die Machtvolleren, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Das wussten meine Oma, der Kleine Prinz, Poeten und Philosophen auch schon vorher: „Das Herz hat Gründe, die die Vernunft nicht kennt!“ meint Blaise Pascal.

Bei Goethe schlugen gleich zwei Seelen, ach! in seiner Brust! Und genau das können Sie für sich nutzen! Das ist schon die Meisterklasse des Fühlens! Ich arbeite sehr viel mit den sogenannten Somatischen Markern. Hier geht es nicht darum Kopf und Bauch in Einklang zu bringen, sondern die Motivkonflikte innerhalb der Gefühle  differenzierter wahrnehmen und nutzen zu lernen.

 Feel twice! Learn to trust and use your body & soul-guards. 

lautet denn auch meine Botschaft. Denn genau dort liegen die Motiv-Schätze und Motivationsbremsen, dort schlummern unsere heimlichsten Sehnsüchte im Dornröschenschlaf, dort liegen aber auch die heimlichen Ängste begraben. Verändern können wir nur da, wo es uns bewusst ist. Somatische Marker nutzen diese Doppelbotschaften der Gefühle: Sowohl Ihre  Blockaden = Body&Soul-Guards! zu enttarnen und den Herzensmotiven auf die Spur zu kommen.

Wer wäre für mehr Emotion im Unternehmen / Geschäftsleben verantwortlich: Geschäftsleitung? Marketing? Personalentwicklung? Führungskräfte? Kunden? Motivationsgurus

Knappe Antwort. Alle! Das heißt, wer Einsicht gewonnen hat, das anderes besser ist als das Bisherige, in diesem Fall, dass Emotionen das Wirtschafts- und Wirtschaftlichkeitsdenken korrigieren und bereichern, das Polaritätsdenken vielleicht gar MEHR Sinn macht, die/der ist auch mit verantwortlich dafür, dass Wandlung geschieht. (Was nicht heißt, dass, wer mehr Macht hat, nicht auch mehr Verantwortung hat, dazu beizutragen. Aber das ist ein anderes Thema.)

Nur von Verwandelten könnten Wandlungen ausgehen!“ meinte Kierkegaard.

Packen wir’s an. Ein herzinnigliches Dankeschön an die Initiatoren dieser Blogparade, dass Sie mir/uns hier eine Plattform dafür bieten und geboten haben!

 




4 Kommentare zum Beitrag

  1. Gut aufbereitete Informationen!
    Emotionen können aus meiner Sicht motivieren, wenn man sie zulässt. Allen Ärger runterschliucken führt letztendlich nur zu einem: Krankheit!

    • Maria Ast Maria Ast sagt:

      Hallo, Herr Unkrig,
      Danke für die Blumen. Freut mich, Ihr Lob.

      Letztendlich sind es, Stand Wissenschaft, Stand meine Oma, scheinbar doch die Emotionen, die das LETZE ‚Wort‘ haben. Die Kunst besteht darin, den MUT und die ZEIT sich zu nehmen, sie überhaupt zu hören.
      Sonst, ich stimme Ihnen voll zu, sorgt der Körper oder die Psyche drastisch dafür, dass „plötzlich“ Zeit da ist zum Nachdenken, Nachspüren, Nachsinnen – mit allen Sinnen.

  2. Finde „Stand Oma“ heute völlig unterschätzt und vernachlässigt. Meine sagte immer“ Junge, wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nie begreifen!“ Ist wahrscheinlich nicht von ihr, aber sie war ein Quell ständiger sinnvoller Lebensweisheiten.

  3. Liebe Frau Ast,
    noch einmal ganz herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unserer Blogparade!
    Sonnige Grüße,
    S. Stockhausen

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