Meine Wandlung vom Coach — zur Rentnerin — zur ‚Nur-noch‘-Autorin hat mich ja schon einiges an blood, sweat and tears innerlich gekostet. Siehe diverse Diary-Artikel.
Ich wiederhole es einfach noch mal: Ein IDENTITÄTS-WECHSEL – ob mit 17 oder 70 – dauert eben seine Zeit. Nicht wirklich witzig, aber irgendwann ist die Wandlungsphase endlich durchstanden – und man/frau möchte nur noch zügig die Flügel ausbreiten und als schöner, luftiger Schmetterling durch die Welt fliegen und die Welt damit beglücken. Klingt logisch und schön… Jap, Wenn alles ’nach PLan‘ läuft. Tut es aber selten. Bei mir kam zur inneren Wandlung die äußere HIER auf der Website hinzu: Sie sollte – wird und tut es auf einigen Seiten ja auch schon – ANDERS aussehen, sprich, der neuen Identität: Hier schreibt jemand Kompetentes zum Thema Sich-Glücken und zur Lebenskunst auch gerecht werden.
Das war eins meiner Motive für die Web-Neugestaltung. Mitunter habe ich mich allerdings gefragt: Wozu das Ganze? Als Coach wolltest du KundenInnen gewinnen. Klar, da waren Ziel und Motiv-ation klar. Es hat gedauert, dass ich weiter schreiben MUSS. Ist wie Atmen für mich. Ist eben meine Ausdrucksform. Andere singen, malen, backen, sticken, stricken, posen Fotos von sich im Internet. Ich, Maria Anna Ast, bin 72, aber auch meine Schreib-Kunst braucht eine Bühne. NUR für sich allein im Kämmerchen vor sich hinschreiben, das kann nicht das Ziel von Autoren*innen sein!
Werde ich gelesen werden? Wo doch alle Welt die bunten, weil schnell, schnell, schneller zu erfassenden Bilder suchen?
Irgendwann habe ich mir diese Frage nicht mehr gestellt. Ich will schreiben. Ich ‚muss‘ schreiben. SCHREIBEN. Und wenn ich gelesen werde, wenn ich nur einem einzigen Menschen dadurch weiterhelfen kann, mit sich und dem Leben besser klarzukommen, dann hat sich die ganze Schreiberei schon gelohnt.
Die Website-Wandlung wird sich noch ein bisschen hinziehen: Wie alles im Leben gilt auch für die Website: Work in Progress. Die Gedichte wollen noch sortiert und ihren Platz auf der neuen Website kriegen; die Rules und Tools für Lebenskünstler wollen noch eine neue Form finden, die klein, fein, handlich daherkommen wird. Und das Tagebuch-Schreiben, das Befüllen von Mary’s Diary war und ist eh mein Ding. Nun kriegt alles langsam seine neue und stimmige Form. So, wie ich es mir vorgestellt habe.
ICH ÜBE, ALSO BIN ICH. – Das habe ich als Obermotto auf meine Landingpage gesetzt. Es ist eine tiefe Erkenntnis an einem Silvester im Jahr 2022 (?) gewesen, eine Erlaubnis, mich von meinem Perfektheitsüberanspruch endlich zu verabschieden, gnädiger mit mir zu sein, gnädiger mit anderen, die ebenfalls nicht perfekt sind. Und dem Leben selbst, das wieder und wieder neue Lebensbühnen für uns bereit hält. So geht der Rhythmus:
Wir stehen neuen Herausforderungen gegenüber = Wir sind sozusagen Lehrlinge auf dem neuen Gebiet. Wir üben, und üben, und üben… bis wir Geselle/Geselling sind, üben weiter, verfeinern unsere Künste, bis wir schließlich DIESE Phase, Herausforderung, Aufgabe meistern. Hurra! – Und dann kommt das Leben, bringt die nächste neue Lernaufgabe. Wohl denen, die kapiert haben, dass wir Übende bleiben, weil wir nicht alles schon vorüben können. Und nicht alles meistern müssen. Das Bemühen, es gut zu machen, reicht.
In diesem Sinne: Melete to pan!, sagte schon das Orakel von Delphi: Alles ist Übung. Alles? Der Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid hat irgendwo geschrieben: Meisterschaft ist arg überstrappaziert. Er nannte es lieber, das Streben nach Exzellenz: Etwas wirklich gut und kunstvoll machen zu wollen/können.
