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Selbst-Verleugnung oder Warum mein Blog verwaiste

erstellt am: 2. Januar 2014 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein

Es mangelte/mangelt mir tatsächlich NULL an Themen, Gedanken, Ideen zum Thema Selbstwerdung und Lebensbewältigung. Warum verwaist mein Blog dann? Warum schreibe ich im Verborgenen Seite um Seiten, gebe meine Gedanken nicht mehr ans Licht der Öffentlichkeit? Wer oder was hindert mich daran? Meine Erkenntnisse. Mein Fazit. Die Konsequenz daraus.

Mehrwissen macht nicht immer glücklich. Im Gegenteil.

Mehr wissen oder Mehrwissen, macht nicht immer glücklicher. Es kann auch lähmen. Diese Erfahrung machte ich mit Marketing-Wissen. Mit jedem Marketingbuch, mit jedem Marketingkurs, mit jedem Zuwachs an Wissen, wie Selbst-Marketing „funktioniert“ – oder eben manipuliert, sank meine Motivation, Blogartikel zu schreiben, Angebote zu formulieren, mein Fachbuch endlich zu schreiben. Es hat mich zunehmend verunsichert und ausgebremst.

Wie ein großes kontrollierendes und verinnerlichtes Freudsches Über-ICH hing das Marketingauge streng und strafend blickend über jedem Artikel, den ich an die Kundschaft und Leserschaft zu schicken gedachte:

  • Na, hast du auch brav kundennutzen-orientiert formuliert?
  • Na, hast du auch emotional genug formuliert?
  • Hast Die immerfort so formuliert, dass sie dich, dich, dich, Maria, jederzeit, schlafend oder wachend, mit Marke X – in meinem Fall Lebenskunst – verbinden?
  • Hast Du genug eye-body-and-soul-catching Bildchen eingefügt, die den Kunden in deinen Artikel „hineinsaugen“?
  • Und vor allen Dingen, Madame! Du wirst es doch wohl nicht gewagt haben, deinen LeserInnen Kritisches, Nachdenkliches, Tiefgründiges zu präsentieren, das ihr Wohlfühlgefühl beim Lesen stören könnte?!!

Die Er-lösung kam in zwei Schritten:

Auf dem Wissenschaftsforum der Neurobiologen in Bonn fiel es mir dann kürzlich wie Schuppen von dern Augen: U.a. hielt Dr. Hans-Georg Häusel, führenderer Experte in der Marketing-Hinrnforschung und Autor des Buches „Brain View – Warum Kunden kaufen“, einen Vortrag mit dem Titel“ Wie Kaufentscheidungen im Gehirn wirklich fallen“. Mir grauste es: Welch tiefgreifend manipulative „Rolle“ Marketing bei unseren Entscheidungen hat – und haben will!

Bleib deinen Werten treu!

Dieser ebenso informative wie selbst-ironische Vortrag war das eine Tröpfchen, was mein Marketing-Aversionsfass zum Überlaufen brachte. Dieser bewusst eingesetzte, manipulative Charakter steht im krassen Gegensatz zu meinen Grundwerten im Umgang mit Menschen. Wahl-Freiheit, mir wurscht, ob sie ‚wahr‘ = 1000%ig zu beweisen ist oder nicht, ist immer noch eins meiner höchsten Güter, die ich für mich und andere zu erwerben und zu bewahren suche. WIE, bittschön, soll ich die mit bewusst subtil kundenfängerischen Methoden vereinbaren? Meine Antwort: Gar nicht! Schluss mit lustigem und bewusstem Manipulieren. Ich habe fertig mit Marketingsprache!

Bleib dir selbst treu!

Und noch eine tiefe Erkenntnis, zu der mir kürzlich der Philosoph Wilhelm Schmid verholfen hat: „Sie sind ein Widerspruchsgeist!“, meinte er. (Ich widersprach natürlich sofort aufs Heftigste: Wir seien Viele und das wüssten wir nicht erst seit Herrn Precht….)

Auch hier fiel es wie mir wie Schuppen von den Augen: Widerspruchsgeist, das IST ein Wesenskern meiner Persönlichkeit. Einer, den ich lange, lange, viel zu lange unterdrückt habe, um nicht allein im Gegenwind einer Positive-Thinking-„Kultur“ zu stehen und anzuecken. Runterdrücken von wichtigen Identitätsanteilen – in Engslich: to depress – führt aber, so meine Überzeugung, irgendwann in die Depression.

Fazit und Folgen:

“ This above all, to thyne own self, be true!- Dies vor allem, sei dir selbst gegenüber ehrlich.!“
Shakespeare, Hamlet

Ich kenne die Marketingregeln. Ich werde sie brechen. Ich bleibe meinen Werten treu. Ich bleibe meinem Widerspruchsgeist treu – und schreibe, was und wo ich will und wie mir der Schnabel und die Eigenwerte gewachsen sind. Bleiben Sie mir treu. Das würde mich freuen!




4 Kommentare zum Beitrag

  1. Liebe Maria, du hast Recht: Die Allmachtsphantasien dieser Hirnforscher sind gruselig. Zum Glück werden sie scheitern, wie alle Allmachtsphantasien. Gleichwohl noch ein Widerspruch, dem Widerspruchsgeist ins Stammbuch (bzw. Netzbuch): Wem der vielen, die ein Widerspruchsgeist in sich trägt, bleibt er treu, wenn er „sich“ treu bleibt? Bei mir ist in der Schar jedenfalls auch ein Marketingfuzzi vertreten.
    Herzliche Grüße
    Jens

    • Maria Ast Maria Ast sagt:

      Ob Hirnforscher, Coach, Marketingmensch… , es gibt überall solche und solche. Gerhard Roth, Manfred Spitzer und Maja Storch waren auch da, und das sind ja nun doch reflektierte Leute.

      Auch mein Widerspruchsgeist – oder Schweigen – hat ja seine Ursachen, und die kenne ich. Ich war nur sowas von verblüfft, dass sie mich doch dergestalt wieder eingeholt hatten. Unsere inneren Antreiber/Bremser… der lange Arm der Kindheitsprägungen lässt uns wohl nicht wirklich ein für alle mal los.

      Sich treu bleiben… ist natürlich auch nicht einfach mal so dahergesagt.Ohne Eigenreflexion und guter Selbstkenntnis kann man(n) da auch prima auch daneben liegen: Ich war z.B. immer soooo ein fröhliches Kind, jaja, weil alle in meiner Familie schwiegen, und sooooo ein widerspruchsvoller Teenie….

      Ich denke, uns verbindet die Liebe zu Worten. Ich würde Dich, oder ein Teil-Ich von Dir, sicher nicht als Werbefuzzi bezeichnen. Worte triggern Gefühle. Und die dann, da stimme ich den Neurobiologen schon sehr zu, haben viel mit unserem Verhalten zu tun.
      Geistreicher, widerständischer.. Texter, kreativer Wort-Kopf… was weiß ich. Klingt das nicht schon viel besser?

      Danke für Deinen Kommentar!

  2. Liebe Frau Ast,

    welch ein wunderbarer Artikel. Das Schöne an uns Solo-Unternehmern ist doch, dass wir ganz stark über unsere Persönlichkeit wirken. Und die ist glücklicherweise immer einzigartig – wie ja auch die unserer Kunden. Mir graust bei dem Gedanken, dass wir alle immer nur jeden Schritt genau kalkulieren und dem Marketing-Über-Ich unterwerfen. Mit dem Mut zur Einzigartigkeit sind wir viel spannender und haben eine viel größere Chance, genau von denen „gesehen“ zu werden, die zu uns passen.

  3. Maria Ast Maria Ast sagt:

    Liebe Frau Birkner,

    die Crux ist ja, dass viele SolountermehmerInnen anfangs noch glauben: Wenn ich viele anspreche, kriege ich viele KundenInnen.

    Irgendwo las ich mal ein Beispiel pro Positionierung, das mir eingeleuchtet hat: Stellen Sie sich vor, 1000 Leute lesen Ihr – breitgestreutes – Angebot, 3 fühlen sich davon angesprochen und buchen Sie. Nun stellen Sie sich vor, „nur“ 100 Leute lesen Ihr Angebot, es buchen Sie aber 10! Weil sie und Sie zu einander passen.
    Schön, von Ihnen hier mal auf meinem Blog zu lesen.
    Herzliche Grüße

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