Selbst-Experiment Tag 10 – …uahhhh… erste Panik…

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PANIK!!!!!!!

Kaum schlag ich die Augen auf gegen halb 7.00: Paaaaaaaaanik! 1000 Gedanken wirbeln im Kopf herum – und alle, alle drehen sich um Essen!! Ich fasse es nicht. Ich will es nicht. Ich will SIE nicht! Verd….. noch mal, ich habe genug in meinem Leben über Essen und Abnehmen und dem Zusammenhang zwischen Ängsten und Essen nachgedackt, reflektiert. ICH WEISS DOCH, WIE DAS ZUSAMMENHÄNGT!

Und: NEIIIIIIIIIIN! ich will da jetzt nicht schon wieder drüber nachdenken (müssen)!

Fakt ist jedoch: Die Panik macht sich breiter. Völlig diffus. Ein Gefühl…. ich könnte, ja, was eigentlich? Verhungern? Quatsch, sagt mein Kopf sofort! Tickst ja nicht echt! In Deutschland verhungert niemand. Du kannst auch einfach rausgehen und dir was kaufen. Und es ist doch noch genug da!

Duschen, Saugen, Knäckebrot :-(…  Es gibt Termine heute. Und DURCHATMEN und  erst mal reflektieren: Was war da eigentlich los?

Es ist schon irre: Vom Kopf her ist mir das alles klar. Das Gefühl ist aber erst mal da. Wir bestehen nicht nur aus Gefühl, sondern eben auch aus Kopf. Und der darf jetzt ein bremsendes: Gemach, Gemach! einwerfen.

Was ist das für ein Gefühl? Was könnte es bedeuten?
Angst vor…??? was?    Nicht-genug-wählen-können? Wahlfreiheit ist mir heilig!
Nicht-genug-da-zu-haben? Was wäre das Schlimme daran? Es könnte ja jemand vorbeikommen… und dann würde ich mich als schlechte Gastgeberin fühlen. Will meinen: Meine Identität als Supergastgeberin droht in sich zusammen zu fallen, wie  Hefeteig im Zugwind. Könnte EIN Grund sein, warum mich diese Panik überrrante.

Essen müssen wir. Ein Grundbedürfnis, um zu über-leben. Wir MÜSSEN nicht rauchen, reisen, Ski fahren lernen oder Coach werden. Aber Essen müssen wir. Immer ist dieses Thema mit unseren Erfahrungen verknüpft, die wir in Kindheit, Jugend, Lebenssituation damit gemacht haben.

Und immer ist Essen auch an Identität gekoppelt, an das Bild, was wir – unbewusst – von uns haben und das sich ändern kann oder zuweilen muss:

Wer bin ich? Wenn ich dicker geworden bin, wenn ich endlich meine Traumfigur habe, wenn ich kein Magendrücken mehr habe, wenn ich nicht mehr alles essen kann, weil ich eine Allergie habe, wenn ich Wert darauf lege, nur in feinen Restaurants essen zu gehen oder  wenn ich Wert auf biologisch und ökologisch einwandfreie Ware lege?

Oder, um bei meinem eigenen Beispiel zu bleiben: Wer bin ich, wenn ich Besuchern, Freunden, KEINE Nahrungsmittel anbieten kann?  Dann wankt das Bild von der ‚Guten Gastgeberin‘ erheblich. Hat also direkt was mit meinem Selbstbild zu tun – was, scheint’s, schwer in Gefahr gerät. Und wer in Gefahr gerät – der gerät zuweilen in Panik.

Die gute Nachricht ist: Wer zig mal bei derselben Situation in Panik war, der kann nach und nach lernen, dass er/sie sie beherrscht -und daraus die Sicherheit ziehen: Ja, ich überlebe das! Ich habe das schon zig mal überlebt! (Das gleiche gilt für Trennung, Liebeskummer, Enttäuschungen…) Die Strategien lassen sich verbessern und es dauert immer kürzer, bis die Panik oder Angst oder das ungute Gefühl nachlässt.

Merke:
Essen ist an höchst individuelle Erfahrungen verbunden und ge-bunden.  Haben Sie gute, gibt’s wahrscheinlich wenig Probleme mit diesem Thema. Haben Sie schlechte aus früheren Zeiten, sind diese Erfahrungen häufig so mächtig –  weil eingefahren –  dass es schon ernsthaften Hinguckens bedarf, diese offen zu legen (ggf. mit professioneller HIlfe) -um sie damit abstellen oder verändern zu können. Ohne Bewusstheit geht gar nichts. Dann bleiben wir im alten Reiz-Reaktoinsmuster gefangen.

Eine Coachingintervention – dieses Mal auf mich selbst angewandt – könnte z.B. lauten:

Überleg mal:  Was verbindest du sonst noch mit Gastfreundschaft? Machst du das NUR an Essen fest? Oder woran erkennst du es sonst noch? Es wird also NEU GEWICHTET.

Und ACHTUNG!  Wenn SIE selbst KEIN Essensproblematik haben, bedenken Sie: Andere haben ihre meistens völlig unbewussten Gründe, warum sie essen (müssen). Bitte vorsichtig vorgehen. Essen ist was SINNLICHES – da nutzt es nichts, brachial mit Vernunftgründen den anderen/die andere ‚überzeugen‘ zu wollen, dass z.B. weniger Nahrungshortung SINN-voll ist. Für die oder den anderen hat es eben SINN.

Genug für heut und grad. Vanillepudding wartet. Gestehe, habe die Milch nach Ewigkeiten mit Wasser verlängert, damit ich morgen noch welche für den Kartoffelbrei habe.