Buchrezension: Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft und wie Sie gepflegt widersprechen, Jens Korff

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„Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“
Kurt Tucholsky

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Was antworten Sie, sollte jemand Sie mit dem typischen „Geld regiert die Welt!“ argumentativ abwürgen wollen? Könnten Sie fundiert gegenhalten, sollte jemand im Brustton der Selbst-Überzeugung sein „Wer arbeiten will, findet auch Arbeit!“ von sich gibt? Wie stehen Sie selbst zu Aussagen wie „Konkurrenz belebt das Geschäft!“ oder „Jeder ist seines Glückes Schmied!“?

Wer es wagt, sich einzumischen, zu widersprechen braucht Kraft, Mut, (ich z.B. brauche auch Wut!), Wissen, Widerstandsgeist-iges. Den Autoren, Jens Korff, habe ich als wachen Widerspruchsgeist und geistvollen Wider- und Fürsprecher kennengelernt, der sich nicht schont noch scheut, unbequeme Dinge beim Namen zu nennen, sich mutig in den kritischen Ostwind zu stellen und mit fundierten Sach- und Herzensargumenten gegen- und mithalten kann.

So ist auch sein Buch fürwahr kein braves Wohlfühwischiwaschigesülze, nein, der Autor holt die dummen Sprüche und scheinbar ewigen Dogmen aus dem bequemdüsteren Denkkeller und schmeißt sie auf den Seziertisch der Bewusstheit, prokelt darin herum, fragt ketzerisch nach:

  • Woher kommen sie?
  • Was wollen sie eigentlich bewirken?
  • Wem nutzen sie eigentlich?
  • Gehören sie nicht in die Tonne getreten und durch treffendere, bewusstseinserweiternde wie -erheiternde ersetzt zu werden?

Seine Antworten und ‚Gegendogmen‘ finden Sie im Buch: „Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft und Wie Sie gepflegt wiedersprechen“. Zum Diskurs, und Widersprechen lädt der Autor ausdrücklich ein: In seinem Blog zum Buch und bei seinen Lesungen.

Frauen = Heulsusen? oder Wie ich plötzlich im Öffentlichkeits-Ostwind stand

Ich gehörte zum erlauchten Kreis derjenigen, die vorab beim Kommentieren/Kritisieren/Widersprechen mitwirken durften. Als Korrekturleserin konnte ich im Hintergrund gefahrlos meckern, besonders, als ich Jens‘ Artikel „Frauen können schlecht Auto fahren“ las. Der ging mir sowar von quer runter. Ich mäkelte, protestierte, heulte rum, das sei nun in der Tat ein ziemlich schlaffes Kapitel, mit leidenschaftsloslahmer Herr-schaftsnadel gestrickt, nee, SO könne mann das nicht lassen! Knappe Antwort: „Dann mach DU doch! Und zwar zügig, es pressiert.“

Hä? Wie jetzt? Kurz gezögert, dann doch zugesagt, getan. (Die Frage steht seitdem bei mir im Raum: Isses gut oder schlecht, wenn frau keine Zeit zum Nach-Denken/am Text-rumfeilen hat?) So stand ich/stehe ich jedenfalls – plötzlich und unerwartet-  als – einzige – Gastautorin mit an der Widerspruchsfront. Für eine „Frauendogmenlänge“ lang. Mir langt’s nämlich mit diesem dämlichen (Männer)Dogma „Frauen heulen immer gleich los!“  Tun sie das tatsächlich? Kann man(n) das nicht auch anders sehen? Warum das Dogma m.E. starke Schieflage hat, warum besonders Männer sich eine Schnitte davon abschneiden sollten: Alles nachzulesen im Buch. Mein Antidogma lautet jedenfalls: „Weinen ist was für Mutige, Männer!“

In aller Kürze:

Ein Dazulernbuch. Ein Nachschlagebuch. Ein Widerspruchsbuch.  Geeignet für alle, die ewigen Wahrheiten misstrauen, Lust am Selberdenken, Infragestellen haben, und nach soliden, fundierten Argumenten suchen, um allen dummen Sprüchen und unhinterfragten Absolutheitswahrheiten souveräner widersprechen zu können. Auch wenn mir der psycho-logische Aspekt bei manchen Dogmen zu kurz kam, man/frau merkt, Jens Korff verfügt über breites und fundiertes Wissen in gesellschafts-politischen, historischen, literarischen, sprachlichen Dingen. Ich habe a) das Buch gerne gelesen und b) reichlich Stoff in meinen Argumentationskoffer legen können.

Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft und wie Sie gepflegt widersprechen, Jens Korff, Westend Verlag, 256 Seiten zum Preis von 14,99 Euro