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Präsenz: Hört Ihnen oder hören Sie jemandem richtig gut zu?

erstellt am: 15. Mai 2011 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein

Wie geht es Ihnen? Alles gut? Oder: Einiges gut und anderes megadoof oder gar belastend?

Wie auch immer, ich will ja jetzt und hier nicht wirlklich ’ne Antwort von Ihnen, sondern an dieser Stelle ist die Frage eher dazu gedacht, Sie einen Moment inne halten zu lassen, um SICH SELBST zu fragen: Tja, wie geht es mir eigentlich? Grad und jetzt oder ‚eigentlich‘? (Wobei das Wörtchen ‚eigentlich‘ es eigentlich in sich hat…)

Mir geht’s mehr hier um eine andere Erfahrung, die Sie vermutlich auch kennen?, wenn’s um diese Frage geht:

Da mailt jemand oder ruft an und eröffnet das Ganze mit der Frage:“Hey, ich wollt mal hören, wie es DIR so geht?“, nur um im selben Atemzug in einer rasanten Kehrtwende, die jeder Verfolgungsjagd in einem Actionfilm zur Ehre gereichen würde, von SICH zu berichten: „Also, ich muss dir unbedingt was erzählen… Ich habe vielleicht was erlebt!…. Hast du eine Ahnung, wie sehr ich…..“ etc. etc.

Früher kriegte ich regelmäßignen ’nen Knall, aber eher in Form einer Implosion: Da habe ich brav stundenlang zugehört, aufgelegt und mich nachher, wohlgemerkt: nachher immer gefragt: Hä? Was war das denn nun? Allerdings hatte ich

a)  auch nicht die Traute; dem oder der anderen ins Wort zu fallen und zu sagen: „Jetzt aber mal STOPP! Wolltest Du nun wissen, wie es MIR geht? Oder möchtest Du, dass ich dir  zuhöre?“ und

b) fehlte das Wissen um das WIE: Wie kann ich’s so rüberbringen, dass ich den anderen nicht vor den Kopf stoße?

Mittlerweile kann ich das besser. (Sollte ich auch als Coach ;-)). Alles eine Sache der Übung. Die ersten paar Male kam das noch recht pampig raus mit dem Hey, Stopp! – und entsprechend beleidigt bis säuerlich reagierte mein Gegenüber.

Jetzt  schreite ich viel schneller ein und sage meinem Telefongegenüber bei ersten Anzeichen von Kriseligkeit: “ Ich glaube, du möchtest was loswerden. Na, dann leg los. Ich höre Dir jetzt zu.“

Dann ist das eine bewusste Entscheidung meinerseits. Und die fühlt sich bekanntlich entschieden besser an, als wenn wir zu etwas ‚gezwungen‘ werden.

Hier die Kurzversion meiner Vorgehensweise :

  1. Überhaupt  MERKEN: Wann fange ich an mich zu ärgern bzw. unruhig zu werden? Je frühzeitiger Sie das erkennen, umso besser. Mitunter ist es einfacher, den Hörer gar nicht abzunehmen, statt nachher die Vollbremsung machen zu müssen, weil man/frau eh schon auf dem Sprung war.
  2. Wenn Sie’s merken, sich fragen: Will ich und kann ich jetzt überhaupt gut zuhören? Oder bin ich eh auf dem Sprung?
  3. Oder bin ich selbst eigentlich so ‚voll‘, dass ich war loswerden/erzählen möchte?
  4. Sich ’ne ehrliche Antwort darauf geben und
  5. wagen, denn andern ggf. zu unterbrechen und zu klären: Möchtest DU oder soll ICH? Oder haben wir gar Zeit für beides?
  6. Und das ist mir wichtig, immer und immer  😉 zu wiederholen (weil es für mich Teil der Lebenskunst ist):                  Es gibt kein IMMER!!

Es muss nicht IMMER genau so und nicht anders gemacht werden. Es ist eine Option! Und: es ist eine Option.  Ich kann mich z.B. auch ganz OHNE NACHFRAGE und ohne dass der/die andere es merkt, dafür entscheiden, mit meiner ganzen Aufmerksamkeit nur für den anderen präsent = ganz Ohr zu sein.

Jedenfalls stimme ich, ja, wem jetzt grad??, sicher irgendeinem berühmten Philosophen oder Pädagogen zu:

Präsenz ist eines der größten Geschenke, die wir erhalten oder geben können.

Vielleicht haben Sie ja Lust, Ihrem Partner, Ihrer Freundin, Ihren Kindern mal wieder dieses – völlig kostenlose – Geschenk zu machen.
Und was, wenn SIE niemanden haben, der Ihnen so zuhört oder so an Ihnen interessiert ist, wie Sie sich das wünschten oder bräuichten?

Dann gebe ich Ihnen den guten Rat: Suchen Sie sich jemanden, den Sie dafür bezahlen, jemand, dessen Aufgabe, Dienst, Beruf, Berufung es ist, anderen Menschen das Geschenk der Präsenz zu machen – nicht kostenlos, dafür  professioneller, unabhängiger, kompetenter, erfahrener und um seine Rolle wissend: Als Arzt, Therapeut, Berater, Trainer, Coach…

Denn diese Erfahrung machen viele:

  • Wenn ich für ’sowas‘ bezahle, dann wage ich es, mich zuzumuten – und das völlig ohne schlechtes Gewissen. Ich hab ja dafür bezahlt und habe ein Anrecht auf eine Gegenleistung.
  • Professionelle Präsenz ist häufig weiterbringender und (um nicht das arg strapizierte Wort zu gebrauchen) effektiver, als ein noch so treu-sorgender, mitfühlender  Freund/Freundin, der irgendwann auch am Ende seines Lateins ist, wenn es darum geht, einen nächsten Schritt zu gehen oder eine Entscheidung zu fällen.

Das Thema Einsamkeit spielt hier auch eine Rolle. Wir sehnen uns nach einem,  dem wir etwas mitteilen, weil wir es mit ihm teilen wollen. Viele Menschen wünschen sich sehnlichst einen Freund, einen Menschen, „dem sie ALLES anvertrauen“ können.  Abgesehen davon, dass das kein Zeichen von Erwachsenensein ist, wenn man/frau GAR NICHTS fürsich behalten kann, so weise ich Kunden doch vehement darauf hin:

Bedenke, wenn Plan A = Optimalste Superlösung nicht möglich ist – dann nimm (erst mal) Plan B = zweitbeste oder drittbeste Lösung – bevor Du gar nichts unternimmst!

Will in diesem Fall meinen: Bevor Sie daran zu Grunde gehen, keinen Menschen zu haben, der Ihnen wirklich und mit aller Präsenz FREIWILLIG und KOSTENLOS zuhört, versuchen Sie es zumindest mal mit Plan B = einem professionellen Zuhörer bzw. Zuhörerin.  Und da möglichst jemanden, bei dem Sie das Gefühl haben: DER oder dem kann ich mich anvertrauen.

Wenn Sie bis hierher ‚durchgehalten‘ haben: DANKE SCHÖN, für Ihre Präsenz!




2 Kommentare zum Beitrag

  1. Hallo Maria, das mit dem Unterbrechersatz ist ein guter Tipp. Ich hoffe, das kann ich mir merken. Allerdings habe ich noch ein anderes Problem mit der Frage „Wie geht es dir“. Wenn der andere eine Antwort hören will, fällt mir meist keine ein. Das heißt, ich überlege dann hektisch hin und her: Welches der hundert möglichen Details (siehe „Wer bin ich und wenn ja, wie viele“) ist in dieser Situation jetzt angemessen? Stattdessen kommt dann irgendwas allegemein-Unverbindliches raus. Kann es sein, dass wir auch keine rechte Kultur haben, die Frage „Wie geht es dir“ konstruktiv zu beantworten?
    Herzliche Grüße
    Jens

  2. Maria Ast Maria Ast sagt:

    Hallo Jens,
    na, was würdest Du MIR denn antworten, wenn ICH Dich z.B am Telefon fragen würde: „Wie geht es Dir?“
    Wahrscheinlich, da wir uns kennen und uns ’sicher im Umgang miteinander‘ FÜHLEN, könnte ich mir vorstellen, dass Du sagst: „Poh, viel zu tun!“ oder „Ärgere mich grad über XY“ oder „Die Katze ist grad mal wieder verschwunden.“

    Wie Du richtig bemerktest: Es gibt nicht DIE Antwort darauf, sondern die hängt von der Gesamt-SITUATION und somit diversen Faktoren ab.

    – Kenne ich mein Gegenüber gut?
    – Welche Erfahrungen habe ich mit ihm/ihr gemacht?
    – Hab ICH grad Zeit?
    – Hat DER ANDERE grad Zeit? (und woran merke ich, oder meine zu merken, dass er welche oder keine hat!)?
    – Von eigenen Glaubenssätzen: z.B. Ich darf dem anderen nicht sagen, wenn es mir schlecht geht. Never. Ever! Weil ich ein bestimmtes Bild von mir aufrecht erhalten will)
    – Von der ‚falschen‘ Übernahme von Verantwortung: Ach, ich trau dem anderen nicht zu, dass er mit einer ‚falschen‘: zu persönlichen/unpersönlichen/langen/kurzen…. Antwort von mir klar kommt. – Viele – siehe meinen Artikel- kommen wunderbar damit zurecht oder sagen es einem schon, wenn nich…

    Will meinen: Es laufen immer 😉 komplexe Dinge ab, wenn Menschen miteinander kommunzieren. Da gibt es kein IMMER richtig oder IMMER falsch. Da kommt dann das berühmte Bauchgefühl ins Spiel, das komplexe Situationen viel schneller bewertet, als wir das je mit dem Verstand könnten.

    Situativ angemessen re-agieren zu können, also so, dass Du SUBJEKTIV das Gefühl hast: Jau, mit dieser Art der Beantwortung fühle ich mich in DIESER Situation, mit DIESEM Menschen wohl, das ist, wie so vieles, eine Frage der Übung, bis man(n)das souverän meistert. Je mehr – unterschiedliche – Erfahrungen Du da sammelst, umso sicherer wird Dein Bauchgefühl = kannst Du Dich auf Deine Intuition verlassen. Ohne try-and-error gibt’s kein Zutrauen in die eigene Intuition. Fällt mir grad der Spruch ein: I’ve learnt so much from my mistakes. I’m thinking of making a few more! (von wem? Sohn fand Karte so klasse, dass er sie vom Klo geklaut hat!)
    So, give it a try – or many tries!

    Also, lieber Jens, Frage: dann fühl doch mal grad nach: Was würdeste spontan antworten, wenn ich Dich jetzt fragen würde: Wie geht es Dir nach dieser meiner Antwort in bekannt epischer Breite:-)?

    Mir ging’s jedenfalls gut mit Deinem Kommentar. Hab mich gefreut – und wie Du liest, bot er gar den Impuls für lange Gedankengänge!

    Danke schön.
    Maria

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