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Wintertag im Februar – Kleines melancholisches Selbstgespräch

erstellt am: 9. Februar 2012 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein

Ich schaue hier grad aus  Erkerfenstern auf die leicht winterlich verschneiten Dächer rundum. Rauch aus den Schornsteinen kringelt sich gequält und unentschlossen , wie gestaucht,  in den blassgrauen Februarhimmel.

Ein paar Raben – oder sind es Krähen? – hüpfen beneidenswert leichtfüßig die Dachpfannen hinauf: Schräglage: Kein Problem für sie.  Tauben hocken derweil dick aufgeplustert in den kahlen Ästen der alten Eichen. Eine alte DAme zieht ihren, Himmel, ich fasse es nicht!, in einem lodenbestickten Mäntelchen umwickelten Kleinhund Richtung Park. Hund wie Frauchen sehen verfroren aus.  Ein Autofahrer versucht auf der engen Straße zu wenden.

Wie unspektakär!, denke ich. Welch unspektakuläre, unspannende Jahreszeit. Das einzig Spannende – weil nicht normal – sind die hohen Minusgrade…

Früher, ja früher, als ich 18 war, da war „das Alles“ anders! Da stieg ich ins Berufsleben ein. Weg vom norddeutschen Land in die Großstadt. Nach Kölle! Mit allem drum und ran: Weiberfastnacht, Rosenmontagsumzug, Aschermittwochskater…  Alles war neu. Alles fühlte sich lebendig an: Ich, das Arbeiten, die Großstadt, die Welt. das Leben.

Seufz…. Na, Madame, wir werden doch heute nicht melancholisch werden? Ratio meldet sich: Nun bleib mal schön sachlich. Rein sachlich betrachtet, besteht Null Grund dazu!  Bauch protestiert: Ich fühle mich aber melancholisch…   Warum eigentlich nicht?, schallt es aus dem Seeleninneraum. Warum eigentlich nicht! Spannung entsteht NUR, wenn es mindestens ZWEI Pole gibt.

Nehmen wir doch gleich die Melancholie. Ausgelassene Heiterkeit wäre eine gute  Bezeichnung für einen Gegenpol. Wer immerzu nur danach strebt, heiter und gelassen zu sein, der sieht sich irgendwann tödlicher Langeweile ausgesetzt.  Wenn schon kein spektakuläres, so doch ein spannendes Leben findet zwischen den Polen statt.

Dann gönne ich mir mal meine kleine Melancholie. Heute. Ganz bewusst. Im Wissen, dass der Gegenpol sich umso intensiver – spannender – anfühlt und melden wird. . Schwarz vor schwarz ist nicht wahrnehmbar. Weiß vor weiß auch nicht.  Heiterkeit oder Fröhlichkeit vor Melancholie schon viel eher.

Übungen zur Lebenskunst, die ich gerade mache…  Dazu zählt: Bewusst den Gegenpol zu suchen, um sich selbst ein spannendes Leben zu machen. Oder den Gegenpol anzustreben, wenn das Leben grad zu voll und überbordend sich über einem ausschüttet.




Ein Kommentar zum Beitrag

  1. Maria Ast Maria Ast sagt:

    Nun sende ich mir selbst einen Kommentar. Fein gemacht, Maria. Ein Essay von Radio Bremen bzw. von W. Schmid zum Thema „Wenn Menschen unglücklich sind“ passt wie die Faust aufs Auge zu diesem meinem Blogartikel.

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