Welch Geistes Kind wir sind, offenbaren wir selbst

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Hallo, liebe Leserin, lieber Leser,

gerade, wer Foren oder Blogkommentare verfolgt, erlebt ja manchmal echt schräge Sachen. In der Beratungs- und Coachingszene allemal.

Da setzen sich Coachs, Trainer, Berater narzisstisch in Szene, schreiben Erfolgsbibeln, bezeichnen sich (oder lassen sich gerne) als Papst bezeichnen und definieren Erfolg, scheint’s, über die Anzahl der Leser/TeilnehmerInnen  oder an der (öffentlich zur Schau gestellten) Summe ihres Einkommens.

Wen wundert’s, wenn mich das  – schwer katholisch geprägt oder geschädigt, wie ich’s grad sehen will – tatsächlich an das Hierarchie-Denken der Kath. Kirche erinnert, das ich allerdings auch da schlichtweg ablehne: oben, weiiiiiiiiit über einem, steht ein allmächtig-wissender GOTT oder PAPST… und unten sitzen die doofen, armen Schäflein, die dringend einer solchen Führungsperson bedürfen, die ihnen mal grad verkündet (oder sollte ich sagen: verkündigt?), was ihnen zum wahren Glück, wahren Erfolg, wahren Selbstbewusstsein etc.  feht – und alles, weil er/sie uns doch alle soooooooo lieb hat. Haha.

Da frage ich mich – als MOTIV-ationscoach – was für MOTIVE solchen Menschen antreibt. Und ob sich selbige Personen nicht darüber im Klaren sind, was sie auf der Offenbarungsebene (ich sach nur: Johari-Fenster, Blinder Fleck) von sich da eigentlich anderen offenbaren.

Für mich hat Arbeit mit oder Begleiten von Menschen in alleresten Linie was mit der inneren Haltung zu tun. Die enthält wiederum unsere  – bewussten oder unbewussten – Motive und zeigt, wes Geistes (oder Haltungs)Kind wir sind.

Meine Bibelkenntnisse sind begrenzt. Mir fiel grad eine Stelle aus dem Hohen Lied der Liebe ein, die in meiner Privatzusammenfassung in etwa besagt: Es gibt verschiedene Gnadengaben: die der Weisheitsrede, die der Erkenntnisvermittlung, die der Vision, die, heilende Kräft zu haben…

„…wenn ich mit Menschen- ja mit Engelszungen rede, habe aber die Liebe nicht, so bin ich ein tönend Erz oder eine gellende Schelle“, will meinen: kläre als Mensch, der mit Menschen arbeitet, erst mal und eigentlich immer wieder und wieder deine EIGENE Haltung, deine EIGENEN Motive, bevor du andere meinst, belehren, helfen, ‚beglücken‘ zu müssen – oder ihnen mit fragwürdigen Heilsversprechungen das Geld aus der Tasche zu ziehn.

Übrgens: mein Motiv, diesen Artikel zu schreiben, war, meine Stimme zu erheben, gegen solche, die meinen DIE Heilsbotschaft schlechthin zu haben. Meinen Kindern habe ich immer – um im Jargon zu bleiben – ‚gepredigt‘: Wer schweigt, stimmt zu! Und zustimmen will ich eben solchen selbsternannten Heilsbringern nicht mehr. Punkt.

Maria Ast