Kolumne: Gegen Novemberblues hilft die Kunst des Staunens

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Lebenskunst-Facetten:  Gegen Novemberblues hilft die Kunst des Staunens

Staunen Tinvo /photocase

Staunen Tinvo /photocase

Heute Morgen war ich um 5.00 Uhr wach. Das kenne ich, ich brauche gar nicht versuchen, wieder einzuschlafen, klappt eh nicht. Im Sommer liebe ich das: frau gleitet so langsam in den hellen Tag. Aber im November? Trist, trüb, uselig die letzten Tage. Wie immer nach dem Aufstehen ist der zweite Gang, nach Tee kochen, der auf den Balkon. Wow! Ich bin platt: statt trüber Suppe, glitzert ein sternenbestickter Himmel über mir.

Da fällt Staunen leicht. Ein Glücksgefühl durchströmt mich. Schnell noch mal aufgeschaut. Ja, alles noch da, aber das Staun-Gefühl ist weniger intensiv. Wieso ist das so? Glücksgefühle empfinden wir angeblich besonders, wenn ein Ergebnis besser ausgefallen ist als erwartet. Wir buchen ein Mini-Appartement – überraschend erhalten wir die Suite mit Meerblick. Die Mathearbeit? Ne Zwei müsste drin sein – wow! eine glatte Eins. Glücksstaunen gibt’s nicht immer. Aber Staunen üben geht.

Wenn ich in lauter Alltagshektik unterzugehen drohe oder das trübe Novemberwetter sich auf mein Gemüt zu legen droht, verordne ich mir „Drei Minuten stehenbleiben und staunen.“ Funktioniert bei mir am besten in der Natur. Statt stramm und nach innen gekehrt mein Walkingprogramm durchzuziehen – stillstehen, staunen, alle Sinne auf Empfang: Wie schön der Blutahorn leuchtet. Wie leise der Bach plätschert. Da, ein Fischreiher, staunt er zurück?

Staunen können, über die großen und besonders die kleinen Dinge, lobten schon die alten Philosophen als Lebensführungsinstrument und gar als Ursprung allen Philosophierens Es ist eine Lebenshaltung. Ich möchte es und sie mir bis ins höchste Alter erhalten. Staunen macht mich dankbar. Staunen hilft mir, nicht in Novembertrübsinn oder Lebenstrübsinn zu verfallen. Und, ach, da staun ich aber! Schon acht Uhr! Sterne weg, rosa Wolken da – und Artikel fertig. Bleiben Sie staunend!

Noch ganz beglückt grüßt Sie
Maria Ast

Kolumne: zuerst erschienen unter Lebenskunst-Facetten im Stadtmagazin Spenger Echo, Ausgabe Nov. 2015 – KV-Verlag Claudia Vogt.  Meinen nächsten Kolumnenbeitrag finden Sie im Lebenskunstblog  am 02.12.2015