Akzeptanz oder Das Leben ist kein Ponyhof

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„Im Gebirge lebe von Bergen, an einem Gewässer vom Wasser.“ – Aus China  

Was beschäftigt Sie gerade intensiv? Was sucht sich wieder und wieder seinen Weg in Ihr Gehirn- und Gedankenkästle: Stress mit dem Partner, Ihr Job, Ihre alten Eltern, Ihre Gesundheit, eine unliebsame Aufgabe, ein runder Geburtstag? Was immer es bei Ihnen sein mag, mich, mittlerweile 63, beschäftig zunehmend das Thema AKZEPTANZ. Fast möchte ich den Satz umkehren: Die Akzeptanz beschäftigt sich mit mir…

 „Das Leben ist kein Ponyhof!“ oder Wie geht Akzeptieren?

Wir alle kennen Sprüche wie diese: Das Leben ist kein Ponyhof! Das Leben ist kein Wunschkonzert!  Lebbe geht weida! Das ist schnell dahingesagt, sehr viel seltener treffe ich dagegen jemanden, der diese Aussagen auch glaubwürdig und gelassen ausstrahlt. Vom Kopf her ist mir das natürlich auch alles klar. Warum tue ich mich mit der Akzeptanz so verdammt viel schwerer, als vor Jahren mit dem Gegenpol: dem Aktiv-sein? Das war ein Kinderspiel dagegen! Coaching/Coach-sein hat mich um Längen und zügig nach vorne gebracht.

Die Sache mit den Gegenpolen: aktiv-sein ———— akzeptieren

 Aktiv sein, handlungsfähig sein produziert in der Regel schnell-wahrnehmbare, spürbare, sichtbare, hörbare Ergebnisse: Mein Leben, mein Alltag, meine Fitness, meine Zufriedenheit haben sich messbar, spürbar verbessert, mein Selbstwert hat sich stabilisiert etc.. Coaching, Beratung, Therapie zielt darauf, die Selbstmächtigkeit zu fördern – und DIE vermittelt uns ein gutes Gefühl!

Akzeptanz dagegen haftet auch immer was von „Ohnmacht“ an: Ich muss aushalten,.. ich muss aushalten, dass ich nicht aktiv und unmittelbar was tun, verändern, angehen kann; dass meine Macht, mein Einfluss begrenzt ist; dass niemand mich jetzt lesen, hören, sehen, Beifall klatschen will etc.  Wer fühlt sich schon gerne ohnmächtig? Niemand. Ohnmächtig? Halt! Da gilt es, sich schleunigst klarzumachen: Niemand ist ALLmächtig, aber auch niemand ist total OHNmächtig. Das sind bloße Extrempositionen. Können wir im Außen nichts ändern, stoßen wir an die Grenzen unserer Macht, dann können wir immer noch an unserer inneren Einstellung, unserer Haltung arbeiten.

Und – hier spreche ich aus reichlich Lebenserfahrung – Akzeptieren IST Arbeit. Immer wieder. Täglich, jährlich, lebensphasenabhängig neu.

Brennpunkt: Neue Lebensphasen

 Für mich gibt es zwei Arten von Akzeptanz:

  • die als Resignation, Kapitulation empfundene, die schnurstracks in die Verbitterung, den Burnout, die Depression führen kann. Wer immerzu mit sich, der Welt, seinem Körper, seinem Schicksal kämpft und hadert, der kann nur immer erschöpfter werden.
  •  Akzeptanz als aktive ‚Handlung‘, als reflektierte, achtsame , gelassene Haltung, die es immer wieder gilt einzuüben.

 Ich jedenfalls strebe an, mich in der zweiten zu üben, denn meine neue Lebensphase ist: Älter-werden bzw. Ältersein. Wer da nicht lernt, gelassener zu akzeptieren, ist schlecht dran, der/die befindet sich im Dauerkampf: entweder mit dem Akzeptieren selbst, oder dem Körper, oder dem Fitness-Anspruch… –  oder rennt und reist der Angst vor dem Nachlassen von Energien, dem Akzeptieren müssen von Grenzen davon. Da kenne ich viele RuheständlerInnen, die das tun. Das dürfen und sollen sie gern, das ist nur nicht MEIN Weg, meine Art mit dem Älter-werden klar zu kommen. 

Wie lerne ich gelassen(er) zu akzeptieren? Wie machen SIE es? 

Mir hilft ein Kunstgriff aus der Achtsamkeitspraxis besonders gut: Ich fühle meinen Widerstand gegen das Akzeptieren und das ich mich schwer damit tue  – und akzeptiere, dass mir das Akzeptieren schwer fällt. Was sich so paradox anhört, hilft in der Praxis hervorragend: Indem ich meinen Widerstände wahrnehme, annehme, ihnen zulächle, muss ich mich nicht mehr im Kampf gegen sie verausgaben; auch der Druck des „es sollte anders sein!“ weicht – und ich werde tatsächlich gelassener: JETZT sind die Dinge so.

Wobei ich gleich einschieben möchte: Lerne zu unterscheiden! Es gibt nicht DIE Akzeptanz. Ebenso wenig wie es DIE Achtsamkeit oder DIE Gelassenheit gibt. Das hängt von der jeweiligen Situation, dem Kontext, der Lebensphase ab. In der Jugend gilt es anderes zu akzeptieren als mit 30; als Familienvater gilt es anderes zu akzeptieren denn als Single; als Selbständige/r gilt es anderes zu akzeptieren, denn als Angestellter;  und meine spezielle Herausforderung: Mit 63 gilt es anderes und weit mehr zu akzeptieren als mit 50! Da habe ich mein Leben noch mal umgeworfen, mich als Coach selbständig gemacht.

Hochzeit, Kinder, Älter-werden gelassen meistern? Nö, nicht mehr mit mir!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich pfeif drauf! Gelassen das bzw. mein Älter-werden zu akzeptieren, darin bin, kann und will ich keine Meisterin sein. Diesen Anspruch habe ich nicht mehr. Meine im Laufe der Jahre erworbene Haltung: Ich darf Übende sein! hilft mir da entschieden gelassener zu bleiben. Meisterlich kann nur der/die sein, die viel geübt hat. Ich bin aber noch nie älter geworden. Ich konnte noch nicht üben und üben und nochmals üben, um Meisterin  im Älter-werden zu sein. Selbiges predige ich in meinen Coachings immer wieder, Jobanfängern ebenso, wie frisch gebackenen Chefs, Eltern, Eltern-Pflegende etc. „Das haben Sie alles noch nicht zig mal ‚ausprobieren‘ und üben können. Also: Geh gnädig mit Dir um!“

Ich, du, wir sind MeisterInnen, die üben. ABER: Wir sind ja nicht NUR Übende! Wir haben Veränderungs-Kompenz entwickelt. Wir können auf Krisenbewältigungskompetenzen zurückgreifen. Wir können schauen: WIE habe ich diese oder jene neue Situation damals gemeistert? Auch von anderen lernen, geht: Wie machen die das? Wie gehen die mit neuen Situationen um?

Späte Freiheit: Älter-werden – Gabe und Aufgabe

Die eigenen Ressourcen im Blick zu behalten, lässt mich ruhig und gelassener auf die neue Lebensphase des Älter-werdens und Älter-Seins schauen. Und bei aller Einübung von Akzeptanz gilt es auch hier, sich daran zu erinnern: Welche neuen Freiheiten bietet diese neue Lebensphase? Als erste spontaner Gedanke kommt: Ich verbiege mich nicht mehr! Ist mir egal, was andere davon halten: Wie ich schreibe, wie ich aussehe, ob ich gegen den Strom schwimme…

Viel zu häufig tendieren wir dazu, uns darauf zu fokussieren, was NICHT mehr geht. Da tut es gut, sich der Freiheiten und Chancen, die neue Lebensphasen bieten, bewusster in den Blick zu nehmen und neugierig geblieben herauszufinden: Was fange ich mit dieser neuen Freiheit an? WAS darf, kann, soll noch un-be-dingt verändert und gelebt und erlebt werden?

Alle, die dieser spannenden Frage auf strukturierte, kreative, intensive Art nachgehen wollen (und in Bielefeld und/oder Umgebung wohnen), biete ich an, dieses in meinem Kurs Späte Freiheit: Älterwerden – Gabe und Aufgabe“ zu tun. Mehr Infos zu Inhalten, Terminen, Anmeldung finden Sie, wenn Sie auf „Seminare“ klicken.