Mein Weg war lang. Gerade war er nicht. Und fertig bin ich auch noch nicht.

Ich bin als Landkind gestartet, wurde Exportsachbearbeiterin, Familienfrau, Trauerbegleiterin, Buchhändlerin. Habe studiert, mich engagiert, mich angepasst, gezweifelt, gesucht. Bin in Sackgassen geraten und in drei Burnouts. Mit Mitte vierzig ging ich für ein halbes Jahr nach London. Danach war vieles nicht mehr wie vorher.

UmWege. Irrwege. Lehrpfade.

Ich wollte verstehen: mich, andere, das Leben. Warum wir immer wieder in denselben Mustern feststecken. Warum wir wissen, was uns nicht guttut – und es trotzdem tun. Warum wir uns verbiegen, obwohl wir frei sein wollen. Und vor allem: Was hilft wirklich?

Was mich weiterbrachte

Coaching wurde zur Lebenswende. Verstehen allein genügt nicht. Ich lernte, dass wir handeln, verändern, wählen können. Dass wir nicht allmächtig sind – aber auch nicht ohnmächtig. Wir können unseren Teil tun. – Mit 50 machte ich mich als Lebenskunst-Coach selbständig.

Die Philosophie der Lebenskunst brachte das Staunen zurück – und einen anderen Blick aufs Leben. Wir sind keine eindimensionalen Wesen. Leben geschieht in Spannungen: Freude UND Trauer. Mut UND Angst. Nähe UND Distanz. Tun UND Lassen. Dur UND Moll. Nicht einen Pol besiegen, sondern beide halten lernen.

Lebenskunst ist Spannungskunst.

Und schließlich fand mich die Logotherapie Viktor Frankls. Sie weitete meinen Blick für Sinn und Werte, für Freiheit und Verantwortung – und für das, was sich unserem Verstehen entzieht. Sie wurde meine spirituelle Heimat. Heute kann ich wieder Gott sagen. Nicht mehr so wie als Kind. Eher im Sinne eines Übersinns, den ich weder beweisen noch begreifen muss.

Was mir das gibt? Grund-Lebenszuversicht.

Ich kann ins Zweifeln geraten, scheitern, trauern, hadern und ziemlich gründlich aus der Balance kippen. Aber ich falle nicht mehr ins Nichts.

Gefunden. Geprüft. Reduziert.

Ich habe nicht nur gesucht. Ich habe gefunden.

In Büchern und Ausbildungen, in Philosophie und Psychologie, in der Arbeit mit Menschen – und im eigenen Leben. Über zwanzig Jahre als Coach habe ich ausprobiert, angewandt, kombiniert, verworfen und immer weiter reduziert.

Geblieben ist erstaunlich wenig.

Werte, die Orientierung geben.
Haltungen, die tragen.
Werkzeuge, die helfen, klarer zu sehen und wählen zu können.
Schreiben! – Zur Heimat erkor ich mir die Worte!

Meine eigenen Leitsterne habe ich inzwischen auch:

aufrecht – entspannt – frei

Nicht als Lebensrezept. Nicht als neue Drei-Gebote-Tafel. Das sind meine. Andere Menschen haben und brauchen andere.

Wahlfreiheit ist mein ‚heiligster‘ Wert. Sie gehört für mich zu den kostbarsten Möglichkeiten, die wir Menschen haben. Wir können nicht immer bestimmen, was geschieht – aber mehr wählen können, als wir manchmal glauben: Wie stelle ich mich dazu? Was tue ich? Was lasse ich? Was ist mir wertvoll? Wofür stehe ich?

Freiheit ohne Verantwortung? Inzwischen undenkbar für mich.

Wohin hat mich mein Weg gebracht?

Ich bin heute 72. Ich bin aufrechter, entspannter und freier geworden. Nicht immer und nicht überall. Aber entschieden öfter. Ich habe eine Grund-Lebenszuversicht gewonnen. Und das Gefühl, richtig zu sein – in dieser Welt. Und für sie.

Das hat gedauert. – Vielleicht ist mir deshalb mein Satz „Ich übe, also bin ich“ so lieb. Üben hat mich von dem Anspruch befreit, perfekt zu sein und alles richtig machen zu müssen. Ich darf irren. Scheitern. Neu anfangen. Besser werden dürfen – nicht perfekt werden müssen.

Heute verstehe ich mich als Wüstenfrau und VerDichterin.

Wüstenfrau: Weil ich viele Lebenswüsten durchschritten habe. VerDichterin: Ich ‚kann lang‘: schreiben, reden, lesen. (86 Tagebücher, 20 Jahre Lebenskunstblog/Diary zeugen davon.) Aber ich liebe die Reduktion: einen Gedanken so lange sichten, sortieren und sieben, bis übrig bleibt, was trägt. Manchmal ist das ’nur‘ ein Satz. Ein Gedicht. Ein Bild. Ein schlichtes Quadrat.

Hier gebe ich weiter, was sich auf meinen Um-und Lern-Wegen für mich und in der Coachingpraxis als wertvoll  erwiesen hat : Erfahrungen, Gedanken, Geschichten, Gedichte, Haltungen und Handwerkszeug.

Möge es zu Ihrem Glücken beitragen.

maria Anna Ast - Autorin in Bielefeld