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LEBENSKUNST – WISSEN – Sinn und Moderne

erstellt am: 5. Dezember 2012 / von: Maria Ast / Kategorie(n): Allgemein

Die rastlose Such-Generation

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“
Wilhelm von Humboldt

Sind Sie häufiger unruhig und fühlen sich rastlos? Sehen Sie vor lauter Wald die Bäume zuweilen nicht mehr? Oder wird Ihnen „das alles zuviel“? Hat sich DAS Glück immer noch nicht eingestellt? Dann mag Ihnen mein Artikel zu Sinn und Moderne Zusammenhänge erschließen, die Ihnen vorher noch nicht klar waren, denn Ihre Unruhe und Rastlosigkeit mag andere, als nur persönliche Ursachen haben.

Sagt Ihnen der Begriff der Moderne etwas? Bis vor ca. 3 Jahren konnte ich mit dem Begriff Moderne so gut wie nichts anfangen. Ich hatte Null Ahnung, dass sie und wie viel sie, die Moderne, mit meinen eigenen Problemen und denen meiner Kundinnen zu tun hatte und hat – und selbst mit Weihnachten.

Das änderte sich schlagartig und über Nacht. Ich hatte das Buch des Philosophen Wilhelm Schmid „Mit sich selbst befreundet sein – Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst“ (suhrkamp TB) zur Hälfte in einer Nacht verschlungen! Es hat mein Leben und mein Coaching tiefgreifend und nachhaltig verändert. Wie das?

Freiheit – Völlig losgelöst…

Moderne, das steht vor allen Dingen für Befreiung, für Frei-sein-von: frei sein von überholten moralischen Vorstellungen, frei von religiösen, beruflichen, sexuellen Vorgaben, frei von Konventionen, die diktieren, wie und wo und mit wem wir leben müssten.

„Freiheit…Freiheihahaheit, ist das Einzige was zählt…“ Wer hat den Song von Marius Müller-Westernhagen nicht schon mal mitgesummt, mitgesungen, mitgegrölt? Freiheit ist ein hohes Gut. Sie birgt allerdings einen entscheidenden Nachteil: der moderne – befreite – Mensch, also WIR, und wirklich jede und jeder von uns, sieht sich vor die Aufgabe gestellt, seinen oder ihren eigenen Weg finden zu müssen: beruflich, beziehungsmäßig, glaubensmäßig, gesamtlebenskonzept-mäßig.

Der Freiheit Formen geben

Fürwahr, keine leichte Aufgabe, Freiheit zu gestalten! Davon kann jeder, der plötzlich viel Freiheit und Freizeit hat aufgrund von „Freistellung“ = Kündigung oder Krankheit ein Lied singen. Freiheit will gestaltet sein und zwar im Großen wie im Kleinen:

  • Welchen Beruf will ich ergreifen?
  • In welcher Stadt will ich leben?
  • Mit wem will ich leben? Oder will ich lieber alleine leben?
  • Will ich meine Energien ins Fittwerden oder ins Welt- retten oder in die Gründung einer Familie stecken?
  • Und: Wie will ich Weihnachten feiern? Will ich überhaupt noch Weihachten feiern?

Noboday out there, der uns, der Ihnen zwingend vorschreibt, was zu tun oder zu lassen sei!

Das war meine erste tiefe Erkenntnis: Dass wir alle, Sie, ich mehr oder weniger Zwangs-Suchende sind im unendlichen Orbit der Freiheit und es unsere Aufgabe ist, uns selbst die Grenzen zu setzen, wollen wir nicht in dieser Unendlichkeit der Möglichkeiten und Freiheiten verloren oder gar untergehen.

Glück durch Sinn

Die zweite Erkenntnis traf mich genauso tief: Dass, woran es den meisten modernen (Glücks)Suchenden mangelt, ist, so der Philosoph Wilhelm Schmid, nicht Glück, sondern Sinn. Sinn meint Zusammenhang. Ohne Zusammenhang kein Sinn.

Das wird schon deutlich, wenn ich wahllos Buchstaben hier aufs Papier werfe:

L D G D H. Sinnlos, oder? Drehen Sie sie um, dann ergibt es eine allseits beliebte SMS-Botschaft: HDGDL = hab dich ganz doll lieb! Beides: Befreiung und Sinnsuche hängen eng zusammen, wobei sie sich eigentlich widersprechen: Freiheit meint eben nicht Zusammenhang, meint losgelöst sein von Bindungen, Gebundenheit.

Wer aber – wie wir modernen Menschen – aus vielen Bindungen gefallen ist, wer keine (innere) Bindung mehr hat: zu seiner Tätigkeit, zur Arbeitswelt überhaupt, zu Partner, Freunden, Menschen oder sie nicht mehr herstellen kann oder mag, dem mangelt es wiederum an Sinn, mitunter Lebenssinn.

Kann man Sinn herstellen, und wenn ja, wie?

Wenn Sinn Zusammenhang bedeutet,, dann ist es die Aufgabe des befreiten Mensch diesen selbst wieder herstellen zu MÜSSEN, um sinn-voll leben zu können. Wie könnte das gehen?

Sinn lässt sich herstellen über unsere Sinne: bewusst sehen, riechen, schmecken, hören, fühlen. Also Kerze an, Musik aufgelegt, in die Kuscheldecke eingekuschelt.

  • Besinnung hilft: sich bewusst auf die Suche machen nach Zusammenhang und somit nach Sinn. Was ist wirklich wichtig und wesentlich für mich? Was hat diese Entscheidung, diese Reise, dieser Job mit meinem Leben zu tun? Was trägt es oder sie dazu bei, aus dem Leben an sich MEIN Leben zu machen?
  • Sich Zeit nehmen, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen
  • Sich Geschichten – Familiengeschichten – erzählen hilft, denn das knüpft ein Band an unser Jetztsein, hat etwas mit dem gewordenen ICH zu tun: Aus dieser Familie – mag sie auch noch so unperfekt sein – komme ich; hier habe ich meine Wurzeln
  • Bei Krisen, Krankheit, Leid: Machen wir uns nichts vor, da erschließt sich uns der Sinn manchmal erst im Rückblick: Ach, dafür war es doch irgendwie gut. Das hat mich auf eine andere Sichtweise, eine andere Seinsweise gebracht oder meinem Leben Tiefe oder gar Sinn verliehen. Sinnvoll wäre dann ggf. eine Einstellung, die das akzeptiert, dass sich nicht immer und sofort für alles und jedes der Sinn einstellt.

Manchmal geht es andersherum einfacher, wenn es um die Sinnfrage geht. Sinn lässt sich häufig besser an seiner Abwesenheit erkennen. „Das hat doch alles keinen Sinn mehr!“, sagen wir dann. Sinnlosigkeit ist das Gefühl, das sich dann breit macht. Spätestens dann, sollten Sie in sich gehen und sich an ein paar der vorgenannten Sinnstifter-Gedanken erinnern.

Alle Jahre wieder oder Was?

Die Sinnfrage macht m.E. auch vor Weihnachten nicht Halt. Christen feiern Weihnachten, um sich gemeinsam an die Geburt Jesu zu erinnern. Ihr Glaube ist das Verbindende, das den Zusammenhang für das Zusammensein herstellt. Das macht Sinn.

Was aber tun alle anderen, die nicht oder nicht mehr glauben können oder wollen? Entbehrt es dann nicht jeglichen Sinns – Zusammenhangs – Weihnachten zu feiern?

Ich glaube, dass wir uns dieser Frage: Warum feiere ich, feiern wir überhaupt dann noch Weihnachten? stellen müssen und nach einer Bedeutung für uns dafür suchen müssen, sonst gerät Weihnachten meinem Empfinden nach zu einer blinden Aktion ohne Sinn und Verstand.

Meine Überlegungen dazu: Kann in zusammenhanglosen Zeiten Zusammensein an sich – ob chaotisch, gläubig, unharmonisch – nicht schon Sinn machen? Alleine dadurch, dass wir gemeinsam etwas tun: lachen, singen, streiten, uns ärgern, mit den Kleinen Spiele spielen und mit den Alten Geschichten erzählen? Kann das nicht auch neuer Sinn von Weihnachten werden? Was meinen Sie dazu?

Lebenskunst heißt, Balance herzustellen zwischen scheinbar Widersprüchlichem, meint, sich bewusst als MitgestalterIn des eigenen Lebens zu begreifen und sich der Aufgabe zu stellen, Sinn häufig selbst herstellen zu müssen, damit Ihre Ziele, Aktionen, Entscheidungen – Weihnachten feiern – etwas mit Ihrem Leben zu tun haben und nicht zu losen, nebeneinander hängenden Fäden mutieren, denen eine Schleife fehlt, die alles zusammenhält.

Eine sinnliche und besinnliche Adventszeit wünsche ich Ihnen.

PS – Wer wissen möchte, welche Geburtswehen diesem – drögen – Artikel vorausgingen, die oder der kann hier daran teilhaben: Von Sinn und Selbstzweifeln




3 Kommentare zum Beitrag

  1. Avatar Silke sagt:

    Eine Freundin schrieb mir mal vor Jahren eine Weihnachtskarte mit dem selbst geschriebenen Spruch vorne drauf: „Weihnachten ist, wenn wir Sachen zusammen machen!“
    Das wirkte irgendwie knuddelig und gleichzeitig falsch auf mich.
    Weihnachten hat für mich Sinn: als Christin feiere ich die Geburt des Messias und als Liebende der alten Bräuche feiere ich die dunkelsten Tage im Jahr mit Freunden und Familie bei Kerzenschein. Ob Weihnachten oder Wintersonnenwende mit dem Wissen im Kopf, das bald die Tage wieder heller werden, morgens vor allem – nur Sachen zusammen machen, wenn Weihnachten ist, ist falsch für mich. Und immer wenn wir zusammenkommen unter familiären Gesichtspunkten ist nicht Weihnachten.
    Manchmal sind sogar Trauerfeiern der einzige Zeitpunkt an dem die ganze Verwandtschaft mal wieder zusammen kommt. Ist dann auch Weihnachten?

    • Maria Ast Maria Ast sagt:

      Hallo, liebe Silke,
      um Ihre letzte Frage zuerst zu beantworten: NEIN, dann ist NICHT Weihnachten! Dann ist Tauerfeier!
      Die Motive sind eben andere fürs Zusammenkommen. Und für die Wintersonnenwende sind es wieder andere Gründe zusammen zu kommen. Und dennoch macht es doch Sinn, dass Sie diese (Trauer)Feiern nicht alleine feiern wollen – oder müssen, oder?

      Das meine ich ja grad, dass wir uns unsere Gemeinschaften SELBST er-schaffen müssen. Und das in freier Wahl! Ich glaube, was Weihnachten häufig so quälend macht, ist das Zusammensein mit Menschen, mit denen uns im Alltag und Innen noch weniger verbindet. Wir haben unsere eigenen Einzelleben.

      Ich wage die These: Dass, wonach wir uns EIGENTLICH sehnen, sind aber Menschen GLEICHEN SINNES, Soulmates, Menschen, denen wir uns innerlich verbunden fühlen: sei es durch Glaubensgleichheit, sei es durch politische Ansichten, sei es durch gleiche Interessen, sei es, dass wir gemeinsam Wintersonnenwende feiern WOLLEN.

      Vielen Dank für Ihre anregenden Gedanken!

      • Avatar Silke Bicker sagt:

        Hallo Maria,

        ja, Ihrer These kann ich zustimmen! Allerdings ist Freiheit wiederum etwas sehnsüchtig erwartetes, gerade wenn jemand wenig von ihr zur Verfügung hat. Und erhält man sie dann auf einmal oder spürt, man hat die Wahl und kann selbst entscheiden mit wem und wie man das eigene Leben verbringen will, dann sehnen sich viele Menschen doch wieder zurück an Haltepunkte.
        Wenn ich auf einem schmalem Pfad wandere, links ragt eine steile, relativ glatte Felswand empor und rechts gucke ich auf ca. 1 kmPfadlänge in den sehr tiefen Abgrund einer Klamm, was fühlt sich besser an:
        – mit Geländer oder Haltevorrichtung oder
        – ganz ohne Möglichkeit zum Festhalten?

        Ich behaupte mal, die meisten Menschen fühlen sich mit einem Geländer sicherer. So ähnlich sehe ich die Sache mit der Freiheit selbst zu entscheiden, auch mit wem und wie Menschen Weihnachten feiern. Manche Dinge sind einfach und bei vielen anderen Entscheidungen passen wir uns an, vielleicht auch soweit, dass wir uns verbiegen und gar nicht mehr „wir selbst“ sind. Dabei haben wir alle die Wahl. Etwas zu ändern oder auf die Karte zu schauen: muss ich wirklich da lang? Gibt es noch einen anderen Weg? Oder begleitet mich jemand, der sich ohne Geländer sicher fühlt und mir durch seine pure Anwesenheit selbst Sicherheit verleiht? Geht es anderen ähnlich wie mir?

        In meinem Freundeskreis hat sich die Wintersonnenwende eingeschlichen, sie dauert übrigens vom 21.12. – Sylvester bei uns :-), auch eine freie Entscheidung. Man könnte auch sagen Vorweihnachtsfeiern ehe alle mit ihren Famlien feiern und die Tage zwischen den Tagen unter Freunden genießen. Mit Wanderungen, gemütlichen Beisammenseins, Übernachten auf Berghütten ganz einfach oder harmlosen Bummeln. Das tut richtig gut.

        Ich fürchte, ich weiche gerade vom eigentlichen Thema ab 🙂

        Einen frohen 2. Advent!
        Silke

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