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ESMI oder Warum Neujahrsvorsätze selten funktionieren

Sie haben doch irgendwie ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahr? Oder gehören Sie zu denjenigen, die sich einen Scheißdreck darum scheren, weil das bei Ihnen – und gefühlten 99% der Bevölkerung – eh nicht funktioniert hat?

EIGENTLICH  bin ich in Zeitdruck – ich muss unbedingt noch die letzten Einkäufe fürs Fondue tätigen – ABER ich habe mehr Lust, hier spontan einen Artikel zu Neujahrsvorsätzen bzw. zum Scheitern von Neujahrsvorsätzen zu schreiben. Womit wir schon mitten im Thema wären und Grund eins: LUST ist ein viiiiiiel stärkerer Motivator als jede Pflichterfüllung. Und Lust gewinnt eben am häufigsten. Hier deshalb kurz und knapp die häufigsten Gründe aus Coachingpraxis und reichlichst Selbsterfahrung, warum Vorsätze scheitern, egal, ob es sich ums Abnehmen, Rauchen-Aufhören, Erfolgreich werden, was auch immer geht.

Grund 2: Motivunkenntnis: Viele Menschen haben null klar, WARUM, WOZU sie ihr Ziel erreichen wollen. Wer seine Motive, seine Beweg-Gründe nicht kennt, hat eigentlich null Ahnung, warum er sich so bewegen und anstrengen soll.  Mal nachdenken: Was wäre das Schöne daran, mit dem Rauchen aufgehört zu haben und weniger Kilos auf den Hüften mit sich rumzuschleppen?

Grund 3: Ziel/Wunsch/Vorsatz: 1000x formuliert, 1000x is nix passiert! Und warum nicht? Weil Ihr Unbewusstes ALLES, aber auch ALLES an negativen Erfahrungen und Gefühlen, Bildern hochspült und erinnert, was Sie je mit und zu dieser Zielformulierung erlebt haben. Mit DIESEN Worten werden Sie auch weiterhin garantiert scheitern! Da müsste schon ein neues her.

Grund 4: Ziel zieht oder drückt nicht genug. Abzulesen an der Antwort meiner Kunden, wenn ich sie frage: Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie SEHR wollen Sie das Ziel bzw. wie sehr drückt es von hinten? Wenn die Antwort 5 oder 6 lautet, können Sie Ihr Ziel vergessen. Wer in der – lauen und bequemen und sichereren und ruhigen – Mitte sich befindet, der will nicht un-bedingt etwas verändern. Da müssten sich die Bedingungen schon sehr ändern: MEHR ziehen – oder MEHR drücken.

Grund 5: Haltungsunkenntnis: Es wird allein aufs TUN und Ziel fokussiert. Dabei ist es die Haltung = Ihre innere Einstellung ZUM Vorsatz/Ziel entscheidend, WIE Sie sich auf den WEG Richtung Ziel machen. Viele Menschen/Kunden gehen unsagbar ungnädig mit sich um, verlangen ZU viel von sich, sind total ziel- und erfolgsfixiert. Da ist es als erstes dran (im Coaching), sich eine gnädigere Haltung sich selbst gegenüber zuzugestehen. „Auch wenn ich das Ziel nicht erreichen sollte, immerhin mache ich mich auf den Weg.“

Grund 6: Absolutheitsglaube: Ach, ich könnte Abhandlungen, Schmähschriften über Kollegen, Ratgeber, Medien halten, die alle, alle die Ratsuchenden damit verarschen, dass sie sie glauben machen, es gäbe so etwas wie ABSOLUTE Garantien für Erfolgreich-werden, Dauerwohlgefühl, Erfüllung, Gelassenheit, Selbstbewusstheit, Gesundheit etc. etc. Um es mal knallhart zu formulieren: Vergessen Sie endlich die Worte IMMER – ALLE – NIE. Es gibt keine Garantie! Es gibt so viele Faktoren, auf die ich, wir, Sie überhaupt keinen Einfluss haben. Es geht darum, TROTZ dieser Teil-Ohnmacht Ihren Teil an SELBST-MÄCHTIGKEIT wahrzunehmen und zu nutzen wissen.

Grund 7: ZU große Schritte. Wer abnehmen will oder erfolgreich werden will, der stellt sich sein Ziel in den allerschönsten Bildern/Ergebnissen/Zahlen vor. Um die Skalierung noch mal zu bemühen: Er oder sie träumt von Punkt 10 auf einer Skala von 0 bis 10. Häufige Erkenntnis im Coaching: Ich bin ja erst auf Punkt 3! Da bringt es GAR NICHTS sich andauernd Punkt 10 vor Augen zu führen, sondern es macht schlicht mehr Sinn, sich zu fragen: Was ist/sind die nächsten konkreten Schritte, um EINEN oder ZWEI Punkte höher zu kommen?

Der Blick auf die Uhr zeigt: High noon für den Silverstereinkauf! Ich war schon megakurz davor, auch das o.g. wieder zu löschen, weil ich in alten Perfektionsmustern hing, und mich nun doch entschlossen habe, das Unvollkommene, Unperfekte da stehen zu lassen getreu der Devise: „Das Perfekte ist der Feind des Spontanen!“

Einen guten Rutsch ins neue Jahr und, ach, ja, ich möchte noch die Abkürzung ESMI aufklären, heißt: „Einen Scheiß muss ich!“ – und ist der Titel meines Lieblings“ratgebers“  aus dem Jahre 2015. Es ist ein Manifest gegen das schlechte Gewissen – und eine schräge, zuweilen bitterböse, kurzweilige, politisch völlig unkorrekte Lektüre für alle, die sich mit den – inneren wie äußeren – Ansprüchen rumschlagen. Autor: Tommi Jaud, erschienen bei Fischer.

So, nun aber wirklich! Bis zum Wiederlesen im nächsten Jahr!


Was tut wohl die Rose zur Winterszeit? Ein Winter-Weihnachtsgruß

Was die Rose im Winter tut

frozen Francesca Schellhaas photocase.de

Was tut wohl die Rose zur Winterszeit?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum.
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt…
Ein Traum, und der Winter ist um!

Mascha Kaléko

 

Auch wenn wir im Außen keinen Schnee und keinen Silberfrost haben, es gibt ja auch noch ein Innen, das hin und wieder Winterzeiten überstehen muss und von Wärme träumt.

Mit diesem Gedicht wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein friedliches, frohes Weihnachtsfest, eins, das Seele, Herz und Gemüt erwärmt und nährt.

 


Reduktionskost oder Was wir von Diätratgebern fürs Leben lernen können

Lebenskunst-Facetten –  Reduktionskost oder Was wir von Diätratgebern fürs Leben lernen können

Trotz wüster Schwüre: keine Geschenke! kein Stress!, gerate ich jedes Jahr kurz vor Weihnachten unter Druck. Irgendwann habe ich das Gefühl, keine Geschenke sind auch keine Lösung und stürme los in die City. Heerscharen von Erzgebirgsengeln blicken mich an; Schal-Berge umfluten mich, wie Wasser den Felsen; Meere an Kochbüchern stehen – wie passend! – Massen an Diätratgebern gegenüber. Ein Witz, denke ich, dito die Diätbotschaft: Reduzier‘ und das Leben gehört dir!

Neujahrsvorsätze – antifalten/photocase.de

So, erst mal Zwischenstopp bei Glühwein. „Mit oder ohne Schuss?“ Normal, einfach normal, stammele ich. Überfülle an Auswahl, Angeboten, Wahlmöglichkeiten. Andauernd werde ich gezwungen, mich gegen Massen an Alternativen zu entscheiden. Hier wie häufig bin ich genervt: Mir ist das alles zu viel hier! Produziert und nährt solch Überfülle nicht erst unsere Angst, wir könnten was verpassen, das Falsche wählen? Ich plädiere dafür, die Werbung der Diätratgeber aufs gesamte Leben auszuweiten. Einfach alles weglassen, was ZU viel ist, uns übersättigt, überflutet, überreizt und überfordert zurücklässt. Das wäre doch mal ein sinnvoller Vorsatz fürs neue Jahr: Sich in Reduzierkunst zu üben.  

Was ist das Schöne an der Reduzierkunst?

Jeder Koch, jede Hausfrau weiß die Antwort: Weiterlesen »


Lebenskunst-Facetten: Zeit läuft oder Warum Leben gestalten?

Lebenkunst-Facetten: „Als hätten wir eine Ewigkeit Zeit“ – Warum Leben gestalten?

Ich weiß noch, wie entsetzt, fast empört meine Freundin reagierte, als ich ihr – seltsam verschämt – anvertraute: „Ich denke jeden Tag an den Tod.“ Das ginge doch nicht, nein, wirklich, das sei ja nicht normal! Ich fühlte mich falsch und unverstanden –  und (ver)schwieg fortan. Das ist lange her. Noch immer denke ich jeden Tag an den Tod, aber nicht mehr verschämt. Längst habe ich begriffen, dass dies zu den philosophischen Grundübungen gehört, die – welch Paradox – das Leben intensiver, lebendiger, tiefer macht. Memento mori, bedenke, Menschen, dass du sterblich bist und das Carpe diem, Nutze den Tag! gehören zusammen gedacht.

Den Tag nutzen? Wozu? Warum? Warum überhaupt Leben gestalten?

Ich erspare mir die Botschaften der Werbung, Ratgeber, Wirtschaft, Kirche und sonstiger Lebensoptimierungsversprecher: Um für alle Zeit und/oder Ewigkeit glücklich, schön, erfolgreich, besser, schneller, höher, angesehener etc. zu sein oder zu werden. Selbst die Antworten der Philosophen verwirren mich, denn die lauten höchst unterschiedlich: Weiterlesen »


Kolumne: Gegen Novemberblues hilft die Kunst des Staunens

Lebenskunst-Facetten:  Gegen Novemberblues hilft die Kunst des Staunens

Staunen Tinvo /photocase

Staunen Tinvo /photocase

Heute Morgen war ich um 5.00 Uhr wach. Das kenne ich, ich brauche gar nicht versuchen, wieder einzuschlafen, klappt eh nicht. Im Sommer liebe ich das: frau gleitet so langsam in den hellen Tag. Aber im November? Trist, trüb, uselig die letzten Tage. Wie immer nach dem Aufstehen ist der zweite Gang, nach Tee kochen, der auf den Balkon. Wow! Ich bin platt: statt trüber Suppe, glitzert ein sternenbestickter Himmel über mir.

Da fällt Staunen leicht. Ein Glücksgefühl durchströmt mich. Schnell noch mal aufgeschaut. Ja, alles noch da, aber das Staun-Gefühl ist weniger intensiv. Wieso ist das so? Glücksgefühle empfinden wir angeblich besonders, wenn ein Ergebnis besser ausgefallen ist als erwartet. Wir buchen ein Mini-Appartement – überraschend erhalten wir die Suite mit Meerblick. Die Mathearbeit? Ne Zwei müsste drin sein – wow! eine glatte Eins. Glücksstaunen gibt’s nicht immer. Aber Staunen üben geht. Weiterlesen »


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